Druckschrift 
9 (1851) Der Alterthümler
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

zu machen, und wenn Sie dann damit wieder erscheinen inseiner ursprünglichen Herrlichkeit, so will ich die Stelle citiren:

So sinkt das Tagsgestirn in'S Wellengrab,

Doch hebt eS neu sein feuchtes Haupt empor,

Nnb sendet seiner neuen Strahlen GlanzIn junger Pracht"

O, genug, genug!" antwortete Oldbuck;Ich konnte jawissen, was es heißt, Ihnen einen Vortheil über mich geben.Aber hier ist etwas, was Ihre Lust zur Satire bändigen wird,denn ich weiß, daß Sie eine Freundin der Natur sind." Und inder That, kaum waren sie ihm durch eine Oeffnung in einer niedri-gen, alten und verfallenen Mauer gefolgt, als sie plötzlich von einereben so unerwarteten, als anziehenden Scene überrascht wurden.

Sie standen ziemlich hoch am Abhange des Thals, welches sichplötzlich zu einer Art Amphitheater öffnete, um einem tiefen, kla-ren See, der einige Acker Landes bedeckte, und einer kleinen Ebeneringsherum Raum zu geben- Die Thalwände stiegen überallsteil empor; hier und da wechselten sie mit Felsen ab, und an andernStellen waren sie von Buschwerk bedeckt, welches unregelmäßigund wild umher wuchs und die Einförmigkeit des grünen Weide-grundes unterbrach. Unten entlud sich der See in einen rauschen-den und wilden Waldbach, welcher, seit die Gesellschaft das Thalbetrat, ihr Gefährte gewesen war. An der Stelle, wo er seinemmütterlichen See" entsprang, standen die Ruinen, deren wegenman gekommen war- Ihr Umfang war nicht bedeutend: aberihre eigenthümliche Schönheit, so wie der wilde und abgeschiedeneCharakter des Ortes, an welchem sie lagen, gab ihnen ein In-teresse und einen Werth, welcher den von wichtigern Resten derBaukunst übertraf, die in der Nähe gewöhnlicher Gebäude liegenundminder romantische Umgebungen haben. Das östliche Fensterder Kirche war noch ganz vorhanden, mit all seiner Zierrath und