135
Atter auf sie schauen, können wir dann, verändert in »nsrerStimmung, nnserm Streben, unfern Gefühlen, verwandelt anunsrer Gestalt, unfern Gliedern, unsrer Kraft, — können wiruns selbst dann noch dieselben nennen? oder schauen wir nichtvielmehr mit Verwunderung und Befremden auf unser früheresWesen zurück, da wir jetzt so sehr verschieden von dem sind, waswir waren? Der Philosoph, welcher sich gegen den von Weinerhitzten Philipp auf den Philipp in nüchternen Stunde» berief,wählte einen minder verschiedenen Richter, als wenn er vonPhilipp in der Jngend an Philipp im hohen Alter appellirthätte. Jedesmal ergreift mich das Gefühl, welches in einemGedicht, das ich öfters horte, so schön ausgedrückt ist:
Mein Aug' ist feucht von kind'scher Thräne,
Mel» Herz schlägt fthnsuchtooll,
Weil ich de» Klung zu hören wähne,
Der früh mir einstens scholl.
So muß des Lebens Sonne bleiche»!
Sin Weiser klagt jedochNicht so um du«, was mußt' entweichen.
Als was geblieben noch.
Ja, die Zeit heilt jede Wunde, und bleibt auch die Narbe zu-rück und schmerzt zuweilen, so fühlen wir doch den ersten hef-tigen Schmerz nicht mehr, den wir empfanden, als sie frischwar." — Mit diesen Worten drückte er Lvvel herzlich dieHand, wünschte ihm gute Nacht und ließ ihn allein.
Lovel konnte jeden Schritt hören, als sein Wirth durch dieverschiedenen Gänge zurückging, und jede Thür, die derselbehinter sich schloß, fiel mit fernerem und schwächerem Geräusch zu.Der Gast, so von der lebenden Welt abgeschieden, nahm dasLicht und betrachtete das Gemach. Das Feuer brannte freund-lich. Mrs. Grizzel's Aufmerksamkeit hatte noch für einigen Holz-vorrath gesorgt, wofern er es fortbrennen lassen wollte, und