Königin von einem Unterthan ist angeredet worden. Elisabethhorchte mit Entzücken; ihre Eifersucht war eingeschlummcrt;ihr Entschluß, alle gesellschaftlichen und häuslichen Bande auf-zugeben, und ausschließlich ihre Sorgfalt ihrem Volke zu weihen,begann zu schwanken, und noch einmal erreichte Dudley's Sternseinen Höhepunkt am Horizonte des Hofes-
Doch Leicester erfreute sich nicht seines Triumphes überdie Natur und über sein Gewissen, ohne daß ihm derselbeverbittert wurde, nicht blos durch den inneren Aufruhr sei-ner Gefühle gegen die Gewalt, die er über sie ausübte,sondern durch verschiedene zufällige Umstände, die bei demBanket und während der folgenden Abendunterhaltungenvorfielen.
Die Hofleute befanden sich z. B. in der großen Halle,nachdem sie das Speisezimmer verlassen, und erwarteten dasErscheinen einer glänzenden Maskerade, als die Königin einenwitzigen Ausfall des Grafen von Leicester gegen Lord Willoughby,Nalcigh und andere Hofleute mit diesen Worten unterbrach:„Wir werden Euch des Hochverraths anklagen, Mylord, wennIhr in dem Versuche fortfahrt, Uns durch Lachen zu tödten.Da kommt Jemand, der Uns nach Gefallen ernsthaft machenkann, Unser gelehrter Leibarzt Masters, wahrscheinlich mitNachrichten von der armen Lady Varncy, — nein, Mylord,Ihr dürft Uns nicht verlassen, denn da dies ein Streit zwi-schen vcrheirathetcn Personen ist, so halten Wir Unsere Er-fahrung nicht für hinreichend, um ohne guten Rath darüberentscheiden zu können. — Nun, Masters, was sagst Du zujener schönen Landstreicherin?"
„Die Lady Varncy, gnädigste Fürstin," sagte Masters,„ist eigenfinnig, und will nicht mit mir über ihren Gesund-heitszustand reden. Sie sagt, sie werde bald ihre Sache selber