Druckschrift 
8 (1851) Kenilworth
Entstehung
Seite
82
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Nach und nach schwiegen die lauten Töne, und die Gräfinzog sich vom Fenster zurück, wo sie gesessen, und denselben zu-gehört hatte. Es war Nacht, doch der Mond schien hell in'sZimmer, so daß Emma im Stande war, die nöthigen Anord-nungen zu treffen. Sie hegte die Hoffnung, daß Leicestcr in ihrZimmer kommen werde, sobald der Lärm im Schlosse sich gelegthabe; doch war sie auch in Gefahr durch irgend einen Fremdengestört zu werden. Sie verließ sich nicht mehr auf den Schlüssel,da Trefilian so leicht eingetreien war, obgleich sie die Thürvon Innen verschlossen hatte. Alles, was sie thun konnte, war,den Tisch vor die Thüre zu stellen, damit sie von dem Geräuscherwachen möge, wenn irgend Jemand einzutreten wagen sollte.Nachdem die unglückliche Dame diese Vorsichtsmaßregel getroffen,legte sie sich auf ihr Lager und zählte in ängstlicher Erwartungmehr als eine Stunde nach Mitternacht, bis ihre Erschöpfungfür die Liebe, für den Kummer, für die Furcht, ja selbst fürdie Ungewißheit zu stark wurde, und sic einschlief.

Ja sie schlief. Der Indier schläft auf der Folter, in derZwischenzeit seiner Qualen; und Seclenqualen erschöpfen aufgleiche Weise durch lange Fortsetzung die Empfindlichkeit desLeidenden, so daß nothwendig ein Zwischenraum todähnlicherRuhe eintreten muß, ehe die Qualen wieder erneuert werdenkönnen.

Die Gräfin schlief dann mehrere Stunden und es träumteihr, sie sei in dem alte» Hause zu Cumnor Place und horche aufdas leise Pfeifen, womit Leicestcr seine Ankunft im Hofplatz an-zukündigen pflegte. Doch diesmal hörte sie statt des Pfeifensden eigenthümlichen Ton eines Waldhorns, welches ihr Vaterbeim Fall des Hirsches zu blasen pflegte. Sie eilte, wie es ihrvorkam zu einem Fenster, welches in den Schloßhof htnauSging,und dieser war von Männern in Trauerkleidung angefüllt. Der