79
„Nun so sprich und halte mich nicht auf; denn die Kö-nigin muß sogleich kommen," sagte der Graf.
„Mylord, ich mochte gern meine Gespannschaft mitbringen."
„Wie, Du unverschämter Schlingel?" rief Leicefter.
„Nun, Mylord," versetzte der nimmer oder vielmehr im-mer errölhcndc Bittsteller, „mein Gesuch widerstreitet nichtden kanonischen Gesetzen- Ich habe ein Weib, so neugierig,wie ihre Stamm-Mutter, die den Apfel aß. Nun darf ich sienicht ohne Erlaubniß mitbringcn, weil Ihre Majestät denHofbeamten strenge verboten hat, bei einer solchen Reise ihreFrauen mitzubringen und das Hoflager mit Weibervolk zu über-füllen- Daher wollte ich Ew. Herrlichkeit bitten, ihr bei ir-gend einer Mummerei oder einem Prachtaufzug, in welcherVerkleidung es auch sein möge, eine Rolle anzuweisen, sodaß es nicht bekannt würde, daß es mein Weib ist und ichdadurch in Strafe käme!"
„Der Teufel hole Euch alle Beide!" rief Leicester, derdurch die Erinnerungen, welche diese Worte in ihm erweck-ten, plötzlich zu heftigster Leidenschaft angespornt wurde, „washaltet Ihr mich mit solchen Thorhcitcn auf?"
Der erschrockene Gchcimerathsthüraufseher erstaunte überden plötzlichen Ausbruch von Unwillen, den er unabsichtlicherregt hatte, ließ seinen Amtsstab aus der Hand fallen undgaffte den crgrimmkcn Grafen mit der albernen Miene derVerwunderung und des Schreckens an, welche Leicester so-gleich wieder zn sich brachte.
„Ich wollte Dich nur auf die Probe stellen, ob Dn auchdie Kühnheit besitzest, welche zu Deinem Dienste erforderlichist," sagte er hastig. „Komm nach Kenilworth und bringeden Teufel mit, wenn Du willst."
„Mein Weib, Mylord, hat schon früher zur Zeit der