71
vergessen habe — es war Cäsar, wenn ich nicht irre. — Seht,welche majestätische Rnhc auf der Stirn des edlen Leicesterthront, während Sussex ihn zu begrüßen scheint, als thäte erUnfern Willen nur mit Widerstreben."
„Der Zweifel an der GunstJhrer Majestät," antwortetederGroßschatzmeistcr, „mag vielleicht diese Verschiedenheit bewirken,die dem Scharfblicke Ihrer Majestät nicht entgangen ist."
„Ein solcher Zweifel wäre beleidigend für Uns, Mylord,"versetzte die Königin, „Beide gehen Uns nahe an und sindUns werth und thener, und Beide wollen Wir in aller Un-parteilichkeit zu ehrenvollem Dienste, zum Wohle Unseres Kö-nigreichs anwenden, für jetzt aber ihre weitere Unterredungabbrechen. — Mylords von Sussex und von Leicester, Wirhaben noch ein Wort mit Euch zu reden. Tresstlian und Var-ney sind in Eurer nahen Umgebung — Ihr werdet Sorgetragen, daß sie Euch nach Kenilworth begleiten, und da Wirsowohl den Paris als den Menelans in Unserm Bereiche ha-ben wollen, so darf auch die schöne Helena nicht fehlen, derenWankelmuth diesen Streit veranlaßt hat. — Varney, DeineGattin muß ebenfalls nach Kenilworth kommen, um auf mei-nen Befehl zu erscheinen. Mylord von Leicester, Wir erwar-ten, daß Ihr dafür sorgen werdet."
Der Graf und sein Dienstmann verbeugten sich tief, wag-ten aber nicht, weder die Königin noch einander anzusehen;denn Beide fühlten in dem Augenblicke, daß die Netze undSchlingen, die ihre Falschheit gewebt hatte, im Begriff warensich über sie zusammenzuziehen. Die Königin bemerkte jedochihre Verwirrung nicht und fuhr fort: „Mylords von Sussexund von Leicester, Wir ersuchen Euch um Eure Gegenwartim Staatsrath, der sich sogleich versammeln wird, um überGegenstände von Wichtigkeit zu berathen. Dann werden Wir