Druckschrift 
8 (1851) Kenilworth
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

195

Sobald er fort war, sprach SchmiedWayland in allen möglichenKunstausdrückcn, die seine Muttersprache darbot, seinen Unwil-len über den erbärmlichen Wicht aus, der den Kopf unter dieSchürze seines Weibes stecke. Dabei bemerkte er, daß, wärees nicht der Pferde wegen, welche Ruhe und Futter bedürften,er Herrn Tressilian rathen würde, lieber eine Station weiterzu reiten, als einem solchen schwachkvpfigen, thörichten Pan-toffelhelden, wie Gevatter Kranich, eine Zeche zu bezahlen.

Die Ankunft einer großen Schüssel mit gut znbcreitetenKalbsfüßcn und Schinken milderte einigermaßen die Strengedes Künstlers, die dann vollends beim Anblicke eines Kapaunenverschwand, der so vortrefflich gebraten war, daß, wie Way-land sich ausdrückte, das Fett auf ihm stand, wie der Maien-than auf der Lilie. So wurden Gevatter Kranich und seine Ehe-hälfte in seinen Augen unverdrossene, gefällige und liebe Leute.

Nach der Sitte jener Zeit saßen Herr und Diener aneinem Tische, und der Letztere bemerkte mit Bedauern, wiewenig Aufmerksamkeit Tressilian der Mahlzeit zollte. Er er-innerte sich freilich, welchen Schmerz ihm die Erwähnung desMädchens verursacht hatte, in deren Gesellschaft er ihn zu-erst gesehen; doch da er sich fürchtete, einen so zarten Gegen-stand wieder zu berühren, so versuchte er seine Enthaltsam-keit einer andern Ursache zuzuschreiben.

Diese Speisen sind vielleicht zu derb für Euch, würdi-ger Herr," sagte Wayland, während von dem Kapaunen einStück nach dem andern bei seinen Anstrengungen verschwand;doch hättet Ihr so lange, wie ich, in jener Hohle gewohnt,welche Flibbertigibbct in die vbern Regionen verseht hat, aneinem Orte, wo ich kaum wagte, meine Speisen zu kochen,damit der Rauch nicht von Außen gesehen werde, so würdetIhr diesem schönen Kapaunen eifriger znsprechen "

13 *