126
sagen, und es mit Leben und Ehre und dergleichen zu be-schwören. — Doch da cs mir scheint, daß Ew. Gnaden Einervon denen ist, die ehrliche Wahrheit mehr lieben als politischeLüge, so antworte ich Euch, daß ich bis zum Fuße des Gal-gens tren sein kann, ja bis zu der Schlinge, die von demsel-ben herabhängt, wenn ich gut behandelt und belohnt werde,sonst aber nicht."
„Zn Deinen übrigen Tugenden kannst Du ohne Zweifelhinzufügcn: die Kunst ernsthaft und religiös zn scheinen, wennder Augenblick es fordert?" sagte Varney in spöttischem Tone.
„Es würde mich nichts kosten, Ja zu sagen," cntgcgneteLambvurne; „doch wenn ich die Wahrheit reden soll, muß ichnothwendig Nein sagen. Wenn Ihr eines Heuchlers bedürft,so müßt Ihr Anton Fester dazu nehmen, der von seiner Kind-heit an von einem Phantom verfolgt wurde, welches er Re-ligion nannte, das aber nur in der Art von Gottesfurcht be-stand, die großen Gewinn bringt. Doch ich bin darin nichtbewandert."
„Nun wenn Dir dieser Werth abgeht, hast Du denn auchkein Pferd im Stalle?" fragte Varney.
„Ja, Herr," sagte Lambvurne, „das wird über Gräben undHecken setzen, trotz dem besten Renner des Herzogs. Als ichauf Shooters Hill einen kleinen Fehler beging und einen altenViehhändler anhielt, dessen Taschen besser gefüllt waren alssein Hirnkasten, da trug mich der leichtfüßige Braune sicherdavon, obgleich mir das Landvolk dicht auf den Fersen war."
„Sattle ihn sogleich und folge mir," sagte Varney. „LaßDeine Kleider und Dein Gepäck in der Verwahrung des WirthSzurück, ich will Dir einen Dienst verschaffen, wo cs nicht dieSchuld des Glücks, sondern Deine eigene sein wird, wenn esDir nicht wohlgeht."