116
schwach bemannt in Berhältniß zu den Wachen, die Ihr wegender Gefangenen ausstellen müßt. Den Wärter und zwei andereMänner habt Ihr fortgeschickt, weil sie mit Junker Georg imEinverständniß waren. Der Wartthum, das Stockhaus, derMittelthurm müssen besetzt werden; fünf Mann auf jeden Po-sten ; die übrigen müssen meist in den Kleidern schlafen. SchicktIhr noch einen Mann fort, so plagt Ihr die klebrigen mitdem Dienst zu Tode, und das heißt nicht gut wirthschaften.Neue Söldner annehmen, ist gefährlich, denn der Dienst er-fordert bewährte Leute. Ich sehen nur einen Ausweg. Ichselber will Eure Botschaft an Herrn Wilhelm Douglas aus-richten."
„Das wäre allerdings ein Ausweg! Und an welchemTage in den nächsten zwanzig Jahren würde es geschehen?"
„So geschwind als Mann und Roß es vermögen," ant-wortete Dryfesdale. „Es liegt mir zwar nicht viel an denletzten Tagen eines alten Dienstmannes, doch möchte ich sobald wie möglich wissen, ob mein Hals mir oder dem Henkergehört."
„Liegt dir so wenig an deinem Leben?" fragte die Burg-frau.
„Läge mir mehr daran, so hätte ich das Leben Anderermehr geachtet," antwortete der Prädestinations-Mann.„Was ist Tod? — Ein Aufhören zu leben. — Und was istLeben? Ein einförmiger Wechsel von Licht und Finsterniß,von Wachen und Schlafen, von Hungrigsein und Essen. Dertobte Mann braucht weder Bank noch Trank, weder Feuernoch Federbett, und des Schreiners Kästchen dient ihm alseine ewige Friesjacke."
„Unglückseliger! Glaubst du denn nicht an das Gerichtnach dem Lode?"