40
Nun wohl," antwortete Roland, „wenn Gefahr droht,schönste Katharine, warum wollt Ihr mir nicht »erstatten da-zubleibcn und sie mit Euch zu theilen?"
„Zudringlicher Narr!" sprach das Mädchen, „die Gefahrist lediglich auf deiner Seite. Um es deutlich zu sagen, du setzestdich aus, daß ich dir mit dem Heft meines Dolches auf'-Maul schlage." Mit diesen Worten wandte sie sich stolz vonihm ab und drängte sich durch den Haufen, welcher, einiger-maßen erstaunt über die männliche Kraft, mit der sic ichBahn machte, überall auswich.
Roland, obwohl sehr aufgebracht, wollte ihr dennoch fol-gen. Aber in demselben Augenblick packte ihn I)r. Lundir amMantel und erinnerte ihn an den geladenen Kahn, an daszweimalige Fahnenschwcnken vom Thurm, au die Gefährlich-keit der kalten Lust für einen leeren Magen, und wie >s ver-kehrt sei, noch mehr Zeit auf spröde Dirnen und saure Pflau-men zu verwenden, Roland wurde so gewissermaßen rach sei-nem Kahn zurückgcschleift und gezwungen, ihn zur Rückkehrnach Schloß Lochleven zu besteigen.
Die kleine Fahrt war bald vollendet. Am Lardungsplatzauf der Insel ward der Kammerjunker von dem finstern Dry-fesdale mit beißenden Redensarten bewillkommt. ,So, jungerHerr! Seid Ihr endlich nach Ablauf von sechs Stunden undnach zwei Zeichen von der Burg wieder da? Sicherlich hateine heimliche Schmauserei Euch zu sehr in Anspruch genommen,als daß Ihr an Euren Dienst oder an Euer Geschäft hättetdenken können. Wo ist das Berzeichniß von dem Silberge-schirr und dem Stubengeräth? Da kann man beten, daßNichts davongekommen ist unter der Obhu: eines so sorglosenHerumschwärmers!"
„Davöngckommen unter meiner Obbut, Herr Hofmeister?"