«9
deren Hoffnung du in schwarze Verzweiflung verwandelt hast!Sie ist cs, die dich fragt: Was suchst du hier? — sie, derenschwerste Sünde gegen Gott gewesen ist, daß sie dich mehrgeliebt hat, als selbst das Wohl der Kirche, sie, die dich nichtohne Widerstreben dem Dienste Gottes weihen konnte, — siefragt dich: Was suchst du hier?"
Während hiescr Worte ruhte ihr großes schwarzes Augeauf dem Jüngling mit demselben Ausdruck, mit welchem derAdler seine Beute betrachtet, ehe er sie zerreißt. Roland fühlte sichaußer Stande, zu antworten oder sich von ihr loszumachen.Die Schwärmerin behauptete noch immer einigermaßen die Ge-walt über ihn, die sie während seiner Kindheit erlangt hatte.Ueberdies kannte er ihre Heftigkeit, die keinen Widerspruchduldete, und er war überzeugt, daß wohl jede Antwort, dieer geben könnte, sie in Wuth versehen würde. Er schwiegalso, und Magdalene Graeme fuhr mit steigender Begeisterungfort: „Nochmals, was suchst du, falscher Knabe? Suchst dudie Ehre, auf die du verzichtet, den Glauben, dem du ent-sagt, die Hoffnung, die du zerstört hast? — Oder hast dumich gesucht, die einzige Beschützerin deiner Jugend, die einzigeVerwandte, die du gekannt hast, um meine grauen Haare un-ter die Füße zu treten, wie du bereits mit den theuerstenWünschen meines Herzens gethan hast?"
„Verzeiht mir, Mutter," antwortete Roland; „aber inWahrheit verdien' ich Euren Tadel nicht. Ich bin bei Euch, —ja von Euch, ehrwürdige Großmutter, eben sowohl wie vonAndern, behandelt worden wie Einer, dem die gewöhnlichenGaben des freien Willens und der menschlichen Vernunft feh-len, oder wenigstens so, als wäre ich nicht im Stande, die-selben zu gebrauchen. Ich bin in ein Gebiet der Wunder ge-führt und mit Zaubereien umgeben worden. Jedermann ist mir
2 *