163
zu verbergen, während Roland, außer bei ihr, nie Etwas derArt im Schlosse hörte. Er bemerkte, daß sie mehr schrieb undsich weniger mit weiblichen Arbeiten beschäftigte, als früher,und daß sic, als wollte sie de» Argwohn cinschläfcrn, ein freund-licheres Benehmen gegen die Frau von Lochleven beobachtete,gleichsam als habe sie sich in ihr Schicksal gefügt. „Sie hal-ten mich für blind," dachte er, „und für zu jung, um mirEtwas anzuvertrauen, oder für unzuverlässig, weil ich von demRegenten hiehergcschickt bin. Meinetwegen! Am Ende werdensie noch froh sein, mich zum Vertrauten haben zu können, undKatharine Scpton mit ihrem schnippischen Wesen wird vielleichtfinden, daß ich eben so zuverlässig bin, wie der sauertöpfischeDouglas, dem sie immer nachläuft. Oder grollen sie mirvielleicht als einem Zuhörer von Elias Henderson? Aber siehaben mich ja zu ihm geschickt, und wenn der Mann wahrund vernünftig spricht und nur Gottes Wort predigt, dannmag er eben so sehr Recht haben, wie Papst und Con-cilicn."
Es scheint- Roland hatte mit dieser letzten Vcrmuthungdie wahre Ursache getroffen, warum die Frauen ihn nicht zumVertrauten ihrer Rathschläge gemacht hatten. Seit Kurzemhatte er mit Henderson mehrere Besprechungen über religiöseGegenstände gehabt und ihm zu verstehen gegeben, daß er sei-ner Belehrung bedürfe, ohne cs jedoch für klug oder nöthig zuhalten, zu gestehen, daß er bisher den Satzungen der römischenKirche angchangen.
Elias Henderson, ein eifriger Verbreiter der reformirtcn Lehre,hatte sich in die Abgeschiedenheit der Burg Lochleven nur darumbegeben, weil er unter der Dienerschaft der entthronten KöniginProselyten zu machen wünschte und hoffte, und zugleich die dortbefindlichen Protestanten in ihrem Glauben stärken wollte.
11 *