Fenster sah er Lindesay und Mclville mit Gefolge ans Landsteigen und bemerkte, daß ihnen am Burgthor ein dritter Herrcntgegenkam, welchem Lindesay mit seiner lauten rauhen Stimmezuricf: „Gnädiger Herr von Ruthven, Ihr seid uns zuvor-gekommen!"
In demselben Augenblick vernahm er aus dem inner»Gemach ein hysterisches Schluchzen und Ausrufungen des Ent-setzens. Unverzüglich eilte er hinein, um Beistand zu leisten.Als er cintrat, sah er, daß die Königin sich in einen großenSessel in der Nähe der Thür geworfen hatte und in einemheftigen Anfall von Muttcrwch nach Athcm schnappte. Die äl-tere Kammerfrau hielt sie in den Armen, die jüngere benetzteihr Gesicht mit Wasser und mit ihren Thränen.
„Lauf, junger Mensch!" rief die ältere; „eile! rufe umHülfe! sie fällt in Ohnmacht!"
Aber die Königin lallte: „Nicht vom Flecke! Niemand hcr-beigcrusen! Es wird mir besser — ich werde gleich wieder beiKräften sein." Und mit der Anstrengung eines Menschen, derfür sein Leben kämpft, setzte sie sich auf in ihrem Sessel undbemühte sich, ihre ruhige Miene wieder zu gewinnen, währendihre Gesichtsmaske!» noch zuckten in Folge der heftigen leibli-chen und geistigen Erschütterung. „Ich schäme mich meinerSchwäche, ihr Mädchen," sprach sie, die Hände ihrer Diene-rinnen fassend. „Aber es ist vorüber und ich bin wieder Ma-ri» Stewart. Der wilde Ton der Stimme dieses Mannes,meine Kcnntniß seiner Frechheit, der Name, den er genannt hat,die Absicht, in welcher sie kommen, darf wohl eine augenblick-liche Schwäche entschuldigen — und mehr als augenblicklichsoll sie nicht sein." Sie riß die Haube vom Kopf, welche wäh-rend des Krampfanfalles sich verschoben hatte, und ließ ihr dichtesdunkelbraunes Haar herunterfallcn. Mit ihren zarten Fingern