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Macht und die Neigung dazu in so hohem Grade besitzt? —Oder sagtet Ihr, die Gefährlichkeit Eurer Aufgabe habe Euerruhiges gastliches Antlitz verdüstert? — Ohne Zweifel, ein Edel-knabe bildet eine furchtbare Verstärkung meiner weiblichen Leib-garde, und ganz gewiß ist cs darum, daß der gnädige Herr vonLindesah sich eben geweigert hat, sich in den Bereich einer sol-chen Macht zu wagen, ohne ein gehöriges Gefolge bei sich zuhaben."
Die Burgfrau fuhr zurück und schien betroffen zu sein.Maria richtete ihre schöne Gestalt empor und sprach, aus demTone ironischer Sanftmuth in den strengen Befehles übergehend,mit der vollen Würde einer Königin: „Ja, Frau von Lochle-ven, ich weiß, daß Ruthvcn bereits in der Burg ist, und daßLindesay am Ufer auf die Rückkehr Eurer Barke wartet, dieihn sammt Herrn Robert Mclville herüber bringen soll- Wasist der Zweck ihres Erscheinens? Und warum werde ich nichtgebührender Maßen von ihrer Ankunft benachrichtigt?"
„Ihren Zweck, Madame," antwortete die Frau von Loch-lcven, „müssen sie selber erklären. Eine förmliche Ankündigungwäre unnöthig, wo Ew. Durchlaucht Diener so trefflich dieHorcher spielen können."
' „Arme Fleming," sprach die Königin, sich zu ihrer ältsrnDienerin wendend, „man wird dich vor Gericht stellen, verur-theilcn und hängen als Spionin unter der Besatzung, darum,weil du zufällig durch den Saal gegangen bist, während meineliebe gnädige Frau von Lochleven aus voller Kehle mit ihremSteuermanns Randal parlamenkirte- Steck' schwarze Wolle indeine Ohren, Mädchen, dafern du sie länger am Kopfe behaltenwillst. Bedenke, daß auf Schloß Lochlcvcn Ohren und Zungennicht zum Gebrauche, sondern zum Aicrrathe dienen. Unseregute Wirthin kann für uns Alle ebensowohl hören, wie reden.