Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

107

blicklichcn Triumph über ihre Kerkermeister verschaffte, erbittertesic diese um so mehr, so daß die verletzenden Bemerkungen undAnspielungen nicht selten mit empfindlichen Unannehmlichkeitenvergolten wurden, denen man Macht hatte sie zu unterwerfen.Es ist bekannt, daß ihr Tod beschleunigt worden ist durch einenBrief an die Königin Elisabeth, in welchem sie ihre eifersüchtigeNebenbuhlerin und die Gräfin von Shrewsbury mit dem bitter-sten Spotte überschüttet.

Als die Frauen einander nahe gekommen waren, sprach dieKönigin mit einer leichten Senkung des Kopfes, als Erwiderungauf die Verneigung der Frau von Lochlevcn:Wir sind heutebeglückt. Wir genießen das Vergnügen der Gesellschaft Unsererfreundlichen Wirthin zu einer ungewöhnlichen Stunde undwährend einer Zeit, die Uns bisher zu Unserer Erholung imengeren Kreise »erstattet war. Doch Unsere gute Wirthin weißwohl, daß sie jederzeit freien Zutritt bei Unserer Person hat, undbraucht nicht die nutzlose Förmlichkeit zu beobachten, UnsereErlaubniß nachzusuchcn."

Ich bcdaure," versetzte die Burgfrau,daß mein Erschei-nen von Ew. Durchlaucht als ein Eindrängen betrachtet wird.Ich komme blos, anzuzeigen, daß Euer Gefolge so eben einenZuwachs erhalten hat" lauf Noland deutend)ein Umstand,gegen welchen Frauen selten gleichgültig sind."

O ich bitte um Verzeihung, gnädige Frau, und ich ver-beuge mich zur Erde mit Erkenntlichkeit für die Güte meinerGroßen oder soll ich sagen meiner Herrscher? welchemir eine so ansehnliche Vermehrung meiner Dienerschaft ver-willigt haben."

Allerdings," entgcgnctc Frau von Lochleven,haben siesich bemüht, ihr Wohlwollen gegen Ew. Durchlaucht an denLag zu legen, vielleicht auf die Gefahr hin, einen politischen