2V6
„ist ein altes Herkommen, und der alte Pater Niclas hat selberden Drachen gespielt in den Tagen von Abt Jngelram."
„Und jetzt ernten wir die Frucht ihrer unklugen Saat,"cntgegnete Ambrosius. „Sic haben die Menschen gelehrt, dasHeilige in den Staub zu ziehen: kein Wunder, wenn die Nach-kommen von Spöttern Räuber und Plünderer werden. Abereuer Wille geschehe. Laßt uns in den Schlafsaal gehen. UndEuch, Dame, befehle ich, bei meiner Gewalt, die ich über Euchhabe und bei der Rücksicht, die Ihr dem Leben dieses Jüng-lings schuldig seid, geht, ohne ein Wort weiter zu reden, mituns. — Doch halt! was habt Ihr mit diesem Jüngling imSinn? — Wißt Ihr wohl," sprach er in herrischem Tone zuEulenspicgel, „daß er die Livree des Hauses Avcnel trägt?Die, so den Zorn des Himmels nicht scheuen, mögen wenig-stens den Grimm der Menschen fürchten."
„Bekümmert Euch seinetwegen nicht," antwortete Eulen-spicgel. „Wir wissen recht gut, wer und was er ist."
„Laßt mich bitten," fuhr der Abt in sanfterem Tone fort,„daß Ihr ihm kein Leid zufügt für die unbesonnene Handlung,die er sich in unverständigem Eifer erlaubt hat."
„Seit außer Sorgen seinetwegen, sage ich," wiederholteEulenspicgel, „und entfernt Euch mit Eurem Troß, männli-chem und weiblichem, oder ich stehe nicht dafür, daß jene Hei-lige dem Lauchschemcl entgeht. Und was das Nachtragen vonHaß betrifft, dafür hat mein Leib keinen Raum," fügte erhinzu, mit beiden Händen seinen mächtigen Wanst streichend.„Er ist zu wohl mit Stroh und Stcifschcchter ausgcstopst; —Dank beiden! sie haben den Dolch dieses Hansnarren so gutabgchalten, wie ein Mailänder Brustschild."