Worte hören von dem Kind meiner Hoffnung? von dem Pfleg-ling, an dessen Bette ich gcknicet und um dessen Wohl ich jedenHeiligen im Himmel mit Bitten bestürmt habe? Roland, nurdurch Gehorsam kannst du deine Liebe und Dankbarkeit bewei-sen. Was hälfe cs, wenn du vielleicht den Gang, den ich dirverschreibe, befolgtest, nachdem ich ihn dir erklärt hätte? Duwürdest dann nicht meinem Gebot folgen, sondern deinem eig-nem Ermessen; du würdest daniz nicht den Willen Gottes thun,mitgcthcilt durch deine beste Freundin, der du Alles verdankst,sondern du würdest den Eingebungen deiner blinden Vernunftfolgen. Höre mich an, Roland! du List zu einer Bestimmungberufen, der herrlichsten, die einem Menschen werden kann, undes ist die Stimme deiner ältesten, besten, einzigen Freundin,durch die du berufen wirst. Willst du widerstehen? Dann gehedeines Weges, verlaß mich hier — meine Hoffnungen auf Erdensind dann dahin. Ich will vor jenem entweihten Altar nieder-knicen, und wenn die rasenden Ketzer zurückkehrcn, mögen sie.ihn mit dem Blut einer Märtyrin benetzen!"
„Theuerste Mutter," sprach Roland, dessen früheste Erin-nerungen an ihre Heftigkeit durch diesen leidenschaftlichen Aus-bruch erneuert wurden, „ich will Euch nicht verlassen. Ichwill bei Euch bleiben; keine Welt soll mich von Eurer Seitereißen. Ich will Euch schützen, vertheidigen. Ich will mitEuch leben und für Euch sterben!"
„Ein Wort, mein Sohn," cntgegncte die Alte, „wiegtalles dies auf. Sage mir: Ich will Euch gehorchen."
„Zweifelt nicht daran, Mutter," versetzte der Jüngling.„Ich will cs und zwar von Herzen gern. Nur-"
„Nein, ich lasse keine Beschränkungen deines Versprechensgelten," unterbrach die Alte. „Der Gehorsam, den ich verlange,
Der Abt. i. 9