Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

erwartete sie von dem hochgewachsenen, verzogenen und eigen-willigen Jüngling den leidenden Gehorsam des Kindes, welchessie in der Burg Avenel gelassen hatte. Dies konnte seine ver-letzende Wirkung auf den angeborncn Stolz ihres Enkels nichtverfehlen. Er gehorchte allerdings, denn bei ihrem plötzlichenWiedererscheinen wav das kindliche Gefühl der Unterwürfigkeitzugleich mit dem der Dankbarkeit und Anhänglichkeit wiederaufgetaucht. Mein demungeachtet fühlte er das Joch.

Hab' ich," fragte er sich,Hund und Falken aufgcgcben,um unbedingt auf ihr Wort zu hören, als war' ich noch einKind? Ich, von dem selbst seine neidischen Genossen eingestanden,daß er sie in allen Fertigkeiten übertraf, bei deren Erlernungsie sich die größte Mühe gaben, und die bei mir von selbstkamen, als wären sie angeboren? Das kann und darf nichtsein. Ich will kein zahmer Sperber sein, den ein Weib aufder Faust trägt, und dem man nicht eher die Kappe abnimmt,als bis er auf seine Beute stürzen soll. Erst will ich ihrVorhaben kennen, ehe ich mich darauf einlasse."

Solche Gedanken gingen dem jungen Roland durch dieSeele, nachdem er sich niedergelcgt hatte, und obwohl er er-müdet war von seiner Wanderung, dauerte es doch lange, biser einschlief.

Anmerkung zum achten Kapitel.

Die Schilderung der Zelle beruht lediglich auf Dichtung.Sanct Euthbert, ein gepriesener Heiliger, hatte ohne Zweifelim Grcnzland, wo er bei seinen Lebzeiten geblüht, verschiedeneOrte, wo er verehrt wurde. Jndeß ist die Kapelle von Lill-mouth die einzige, welche der im Text beschriebenen Einsiedeleieinigermaßen gleicht. Diese Kapelle hat eine Quelle, welcher