75
hängen und mit Farben anstreichcn, und sich auf diesen PutzEtwas zu Gute thun, wie wir auf unsere armseligen fleischli-chen Borthcilc. Stolz hat den Morgenstern vom Himmel herab-gczogcn zum Rand des Abgrundes; Stolz und Dünkel hat^ das Flammcnschwert entzündet, welches uns vom Paradiesverscheuchte. Stolz hat Adam sterblich gemacht und zum mü-den Wanderer auf der Oberfläche der Erde, deren unsterblicherHerr er sonst bis auf diesen Lag noch wäre. Stolz hat dieSünde zu uns gebracht und verdoppelt jede Sünde, welche ergebracht hat. Er ist der Borposten, welchen der Teufel unddas Fleisch auf's hartnäckigste vertheidigen müssen gegen dieAngriffe der Gnade, und so lange er nicht gebeugt und seineSchutzwehren nicht der Erde gleich gemacht sind, ist mehr füreinen Narren zu hoffen als für den Sünder. Reißet darumaus Euren Herzen diesen verfluchten Schößling des unheilvollenApfels, reißt ihn aus mit der Wurzel, wäre er auch mit denFäden Eures Lebens verwachsen. Nehmt ein Beispiel an demelenden Sünder, der von uns gegangen ist, und ergreift dieGnadenmittel, so lange es noch heute heißt, bevor Euer Ge-wissen ausgetrocknct ist, wie mit einem Feuerbrand, bevor EuerOhr taub geworden ist, wie das der Otter, und Euer Herzverhärtet, wie der untere Mühlstein. Auf denn und seid thä-tig! Ringet und überwindet! Widerstehet, und der Feindwird vor Euch fliehen. Wachet und betet, aus daß Ihr nichtin Versuchung fallet, und laßt die Fehltritte Anderer Euchzum Beispiel und zur Warnung dienen. Vor allen Dingenverlasset Euch nicht auf Euch selber, denn solches Selbstver-trauen ist das schlimmste Anzeichen der Krankheit. Der Pha-risäer dünkte sich vielleicht demüthig, während er sich in demTempel beugte und Gott dankte, daß er nicht sei wie andereLeute oder wie der Zöllner. Aber während seine Kniec das