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„Wenn es mir nachginge," versetzte Lilias, „dann sollteeine gute Birkcnruthe ihm die Farbe noch besser heraustreibcn."
„Wahrhaftig, Lilias," sprach die Edclfrau, „man sollteglauben, der arme Junge hätte Euch Etwas zu Leide gcthan.Oder ist er vielleicht um deßwillen so sehr auf der WinterfesteEurer Gunst, weil er auf der Sonnenseite der meinigen ist?"
„Gott soll mich bewahren, gnädige Frau," antworteteLilias. „Ich habe, Gott sei Dank, lange genug bei Edellcutcngelebt, daß ich mir nicht cinfallen lasse, gegen Narrheiten oderPhantasieen anzukämpfcn, mögen dieselben nun auf Vieh, Wogeloder Bübchen gerichtet sein."
Lilias war in ihrer Art auch ein Günstling, eine verzogeneDienerin, die sich oft mehr Freiheit herausnahm, als ihre Ge-bieterin Lust hatte zu gestatten. Frau von Avcnel that fürgewöhnlich, und so auch dies Mal, als hörte sie nicht, was ihrmißfiel. Sie beschloß, ein schärferes Auge auf den Kleinen zuhaben, den sie bisher meist der Obsorge von Lilias anvcrtrauthatte. Er muß, dachte sie, von edlem Blut sein: cs wäreja eine Schande, das Gegenthcil zu glauben von einer so edlenGestalt, von so schönen Zügen. Hatte doch selbst die Wildheitwelcher er sich gelegentlich überließ, seine Verachtung der Ge-fahr, sein Widerwille gegen Zwang etwas Edles an sich! Ganzgewiß, er muß von hoher Geburt sein. So schloß sic unddiesem Schlüsse gemäß handelte sie. Die übrigen Diener, wenigereifersüchtig oder gewissenhaft als Lilias, thaten, wie das Ge-sinde zu thun pflegt: sie folgten und schmeichelten aus Eigen-nutz der Laune der Gebieterin. Der Knabe nahm bald dasherrische Wesen an, welches der Anblick von steter Gefälligkeitbei Andern fast immer einflößt. Es schien wirklich, als wäreer zum Befehlen geboren, so leicht gewöhnte er sich, Nachgiebig-
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