wigs und bei einer Zusammenkunft stattfand, welche die Her-stellung des Friedens und einer Amnestie bezweckte, ein schreck-liches Vorbild, wenn der Herzog geneigt sein sollte, es zu er-neuern.
Aber Karls Charakter, obwohl rauh, trotzig, hitzig und un-nachgibig, war dennoch, außer in den Ausbrüchen seiner Leiden-schaft, nicht treulos und unedel, denn diese schlimmen Eigen-schaften sind gewöhnlich kältern Naturen eigen. Er gab sichkeine Mühe, dem König mehr Höflichkeit zu erzeigen, als dieGesetze der Gastfreundschaft ausdrücklich verlangten; aber andrer-seits bewies er auch keineswegs die Absicht, ihre geheiligtenGränzen zu überspringen.
Am folgenden Morgen nach der Ankunft des Königs, fandeine allgemeine Musterung der herzoglich burgundischen Truppenstatt, die so zahlreich und so trefflich ausgerüstet waren, daß esdem Herzog vielleicht gar nicht unlieb war, eine Gelegenheit zuhaben, wo er sie vor seinem großen Nebenbuhler zur Schaustellen konnte. Und wirklich, als er das für einen Vasallen ge-gen den Souverain geziemende Kompliment äußerte, daß dieseTruppen dem König, nicht sein gehörten, da zeigte der Zug seinerOberlippe und der stolze Blick seines Auges das Bewußtsein, daßdie Worte, deren er sich bediente, nur ein leeres Komplimentwaren, und daß diese stattliche Armee, die zu seiner eignen unbe-schränkten Verfügung stand, eben so bereit war gegen Paris, alsnach jeder andern Richtung zu marschiren- Zu Ludwigs Verdrußmußte noch beitragen, daß er, als einen Theil des Heeres, vieleBanner französischer Edelleute bemerkte, nicht allein aus der Nor-mandie und Bretagne, sondern auch aus Provinzen, die seinereignen Herrschaft unmittelbarer unterworfen waren, die nun,aus verschiedenen Gründen der Unzufriedenheit, mit dem Her-zoge von Burgund gemeinschaftliche Sache machten.