sein Gelag hielt, und freien Ausgang für den Spndicus vonLüttich und seine Begleiter zu verlangen, ein Gesuch, welches,wie cS schien, zu vernünftig war, um abgeschlagen zu wer-den. Noch immer seufzte der gute Rathsherr, wenn er ausseine Begleiter blickte, und rief seinem treue Peter zu: „SiehstDu, was es gefährlich ist, ein zu kühnes und zu gefühlvollesHerz zu haben! ach, Peterkin! wie viel haben mich Muthund Menschlichkeit schon gekostet, und wie viel werd' ich nochfür meine Tugenden zahlen muffen, eh' uns der Himmel ausdiesem verdammten Schlosse Schönwald befreit!"
Als sie über die Höfe gingen, die noch mit Sterbendenund Todten bedeckt waren, flüsterte Quentin, indem er Isa-bellen durch die Schrcckensscenen führte, ihr Muth und Trostzu, und erinnerte sie, daß ihre Sicherheit einzig von ihrerFestigkeit und Geistesgegenwart abhänge.
„Nicht von der meinen, nicht von der meinen," sagte sie,„sondern einzig von der Eurigen: — O, wenn ich nur dieserfurchtbaren Nacht entgehe, so werd' ich nimmer dessen vergessen,der mich errettete! Nur eine Gefälligkeit noch, um die ich Euchbitte — ich beschwöre Euch, sie mir zu gewähren, beschwöreEuch bei Eurer Mutter Ehre und bei Eures Vaters Ruhm!"
„Was könntet Ihr bitten, ohne daß ich es gewährte?"sagte Quentin leise.
„Stoßt Euren Dolch in mein Herz," sagte sie, „eh'Jhr michals Gefangne in die Hände dieser Ungeheuer kommen laßt."
„Quentins einzige Antwort war ein Handdruck, dessen Er-widerung nur der Schrecken zu verhindern schien. Und, aufihren jungen Beschützer gelehnt, betrat sie die furchtbare Halle,während Pavillon und sein Leutnant voranschritten und etwaein Dutzend Kürschner- oder Gerbergcscllen folgten, die alsEhrenwache ihren Spndicus begleiteten.