Ludwig ging daher, während ihm der ungeduldige Quentinfolgte, nach einem abgesonderten Thurme des Schlosses Plessss.Hier war, mit großer Bequemlichkeit und mit Glanz der be-rühmte Sterndeuter, Dichter und Philosoph Galeotti Marti,oder Martins, oder Martivalle,. gebürtig aus Narni in Ita-lien, eingerichtet, der Verfasser der berühmten Abhandlung:Vs vulgo lueoguitis, und der Gegenstand der Bewunderungseiner Zeit. Er hatte lange am Hose des berühmten Mat-thias Corvinus, Königs von Ungarn, in Ansehen gestanden,aber Ludwig, der den ungarischen König um die Gesellschaftund um die Rathschläge eines Weisen beneidete, dem man dieGabe zuschrieb, die Beschlüsse des Himmels in den Sternenzu lesen, hatte ihn an seinen Hof gezogen.
Martivalle war keiner der asketischen, verdorrten, bleichenLehrer mystischer Wissenschaft jener Zeit, die ihre Augen überdem mitternächtigen Schmelzofen trübten und ihre Leiber beiBeobachtung des Polarsterns abmagerten. Er genoß alleweltlichen Freuden und hatte sich, eh' er korpulent wurde, inallen kriegerischen Vergnügungen und gymnastischen Uebungenausgezeichnet, ebensowohl als im Gebrauch der Waffen; unddies zwar in dem Maße, daß lsnus vunnonius ein lateinischesEpigramm auf einen Wettkampf im Ringen hinterlaffen hat,welcher zwischen Galeotti und einem berühmten Kämpen indieser Kunst, in Gegenwart des ungarischen Königs und Hofs,stattfand, und worin der Astrolog vollkommen obsiegte.
Die Zimmer dieses höfischen und martialischen Weisen wa-ren weit glänzender ausgestattet, als irgend eines, welchesQuentin bisher im königlichen Palast gesehen hatte; die Bild-hauerarbeit und das Schnitzwerk seiner Bibliothek, so wie dieprächtigen Tapeten, zeigten den feinen Geschmack des gelehr-ten Italieners. Aus seinem Studierzimmer öffnete sich eine