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Obwohl der Barbier wußte, daß sein Herr statt der man-gelnden Religion ein äußerst abergläubisches Gcmüth besaß,und daß man ihn bei derartigen Gegenständen sehr leicht be-leidigen konnte, — obwohl er, sag ich, die Schwäche des Kö-nigs kannte, und mit Fleiß daher die obige Frage im sanftestenund unschuldigsten Tone that, so fühlte Ludwig doch den darinliegenden Spott, und blickte den Sprecher höchst mißfällig an.
»Kerl," sagte er, „Du bist mit Recht Oliver der Teufel ge-nannt, der Du wagst auf einmal so Deines Herrn und der ge-segneten Heiligen zu spotten. Ich sage Dir, wärst Du mir umeinen Gran minder not-wendig, ich ließe Dich an jener Eichevorm Schlosse aufhängen, als ein Beispiel für Alle, die heiligeDinge verhöhnen. — Wisse, Du ungläubiger Sclave, daß meineAugen kaum geschloffen waren, als mir der gebenedeite heiligeJulian erschien, einen jungen Mann führend, den er mir mitden Worten vorstellte, »sein Schicksal solle sein, dem Schwert,dem Strang, dem Wasser zu entgehn, und er würde der Par-tei, die er ergriffe und den Unternehmungen, wobei er be-theiligt, Glück bringen. Am folgenden Morgen ging ich aus,und begegnete diesem Jünglinge, dessen Bild ich im Traumegesehn hatte. In seiner eignen Heimath war er dem Schwertentgangen, während die ganze Familie hingeschlachtet ward,und hier, im kurzen Verlauf zweier Tage, ist er wunderbar demErtrinken und dem Galgen entgangen, und hat bereits bei einerbesondern Gelegenheit, die ich Dir schon andeutete, mir einenhöchst wesentlichen Dienst geleistet. Ich empfange ihn, als vomheiligen Julian hieher gesandt, um mir in den schwierigsten, ge-fährlichsten und selbst in den verzweifelsten Fällen zu dienen."
Als sich der König so ausgesprochen hatte, nahm er den Hutab, und wählte unter den zahlreichen, kleinen Bleifignren, womitdas Hutband besetzt war, diejenige aus, die den heiligen Julian