17
„Vergebt dem jungen Manne, Sire," sagte der Herzog;„er hat seine Pflicht nicht vernachläßigt; aber ich hörte, diePrinzessin sei in dieser Gallerte-"
„Und sicher konntet Ihr da nicht umhin, hiehcr zu kommenund ihr den Hof zu machen," sagte der König, dessen abscheu-liche Heuchelei dabei beharrte, den Herzog so darzustcllen, alstheile er eine Leidenschaft, die bloß von Seiten seiner unglück-lichen Tochter gefühlt ward; „und dabei verführt Ihr die Schild-wachen meiner Garde, junger Mann? — Doch, was muß mannicht einem Ritter verzeihen, der einzig i>sr umours lebt?"
Der Herzog von Orleans erhob sein Haupt, als wolle erantworten, um damit die Meinung, die des Königs Bemer-kung aussprach, zu berichtigen; aber die instinktmäßige Ehr-furcht, um nicht zu sagen Furcht, vor Ludwig, in welcher ervon Kindheit an erzogen war, fesselte seine Zunge.
„Und Johanna ward unwohl?" sagte der König; „doch be-kümmere Dich nicht, Ludwig; es wird bald vorüber sein; ge-leite sie zu ihrem Zimmer, während ich diese fremden Damenzu dem ihrigen führe."
Der Auftrag ward in einem Tone gegeben, der fast wie Befehlklang, und Orleans ging daher mit der Prinzessin an einem Endeder Gallerie ab, während der König, den Handschuh von seinerRechten ziehend, höflich die Gräfin Isabelle und ihre Verwandtenach ihrem Zimmer führte, welches an der entgegengesetzten Seitelag. Er verbeugte sich tief, als sie hineintraten und blieb eineMinute an der Schwelle stehn, nachdem sie verschwunden wa-ren; dann schloß er mit großer Ruhe die Thür, durch welche sieeingetreten waren, drehte den großen Schlüssel herum, zog ihnab, und steckte ihn in seinen Gürtel, — dies Anhängsel gab ihmvollkommen das Ansebn eines alten Geizhalses, der nicht ruhiggehen kann, ohne den Schlüssel seines Geldkastens bei sich zu tragen.
Queutiii Durward. II- 2