Wäre auch Tod die Strafe gewesen, Durward konnte nichtumhin, dieser Schönheit und ihrer Begleiterin dieselbe Huldi-gung darzubringen, die er der königlichen Prinzessin erwiesenhatte. Sie nahmen sie ans, als solche, die an Zuvorkommen-heit von Geringern gewöhnt sind, und erwiderten sie mit Höf-lichkeit; aber er glaubte — vielleicht war es jugendliche Ein-bildung — daß die junge Dame leicht erröthete, die Augenzu Boden schlug und ein klein wenig verlegen schien, als sieseinen militärischen Gruß erwiderte- Dies mußte daher rühren,daß sie sich des kühnen Fremden im Nachbarthurme des Gast-hofs zur Lilie erinnerte; aber drückte diese Verlegenheit Miß-fallen aus? diese Frage wußte er nicht zu entscheiden.
Die Gefährtin der jungen Gräfin, eben so einfach wie dieseund in tiefe Trauer gekleidet, war in dem Alter, wo die Frauenam eifrigsten auf den Ruf der Schönheit zu halten pflegen,die schon seit Jahren im Abnehmcn ist. Es war noch genug da-von übrig, um zu zeigen, wie groß die Macht ihrer Reize einstgewesen sein mußte, und ihx Benehmen, indem sie an vergan-gene Triumphe denken mochte, ließ erkennen, daß sie die An-sprüche auf künftige Eroberungen noch nicht aufgegebcn habe-Sie war groß und schlank, aber ihr anmuthiges Benehmen warmit etwas hochmütigem gemischt, und sie erwiderte Quen-tins Gruß mit einem herablassenden Lächeln; gleich daraufflüsterte sie etwas in ihrer Gefährtin Ohr, die sich nach demjungen Krieger umsah, als wollte sie einem Winke der älternDame Folge leisten, jedoch dann, ohne die Augen aufzuschla-gen, antwortete. Quentin konnte nicht umhin zu vermuthen,daß die der jungen Dame zugeflüsterte Bemerkung sein gutesAeußere betroffen habe; und er war (ich weiß nicht warum)erfreut durch den Gedanken, daß die Gesellschafterin nicht fürgut befunden habe, ihn anzusehen, um sich mit eigenen Augen