„Am Schenktisch Wache zu halten, mit deiner geladenenWaffe," sagte Ludwig; „und wenn Verrath vorfällt, den Ver-räther todt zu schießen."
„Verrath, Sire! und in diesem bewachten Schlosse!" riefDurward.
„Du hältst es für unmöglich," sagte der König, ohne wie esschien durch diese Dreistigkeit beleidigt zu sein; „aber unsre Ge-schichte hat gezeigt, daß sich Verrath in ein Bohrloch verkriechenkann. — Verrath durch Wachen ausgeschlossen! — Oduthörich-ter Knabe! — gu>8 eustollist ipsos eustoäes — wer wird denVerrath von den Wächtern selbst ausschließcn?"
„Ihre schottische Ehre," antwortete Durward kühn.
„Wahr; sehr recht — du gefällst mir," sagte der König freund-lich ; „die schottische Ehre war stets ächt, und ich vertraue ihr da-her. Aber Verrath!—" Hier verfiel er in die vorige düstereStimmung, und durchschritt dasZimmermit unficherm Gange —„Er fitzt bei unfern Mahlen, er funkelt in unfern Bechern, er trägtden Bart unserer Räthe, das Lächeln unsrer Höflinge, das wildeGelächter unserer Spaßmacher— vor allem liegt er verborgen un-ter der sreundlichenMiene eines versöhnten Feindes. Ludwig vonOrleans vertraute dem Johann von Burgund — er ward in derRue Barbette ermordet! Johann von Burgund vertraute der Par-tei Orleans—er ward aufder Brücke von Montereau ermordet! —Ich will Keinem trauen — nicht Einem. Hör' an; ich will ein festesAuge auf den übermüthigen Grafen heften; ja, und auch auf denGeistlichen, den ich nicht für treu halte. Wenn ich sage: Leosse,en Avant! so schießest du Crevecoeur auf der Stelle nieder."
„Das ist meine Pflicht," sagte Quentin, ^sobald Ew. Ma-jestät Leben in Gefahr ist."
„Gewiß — anders meine ich es nicht," sagte der König. —„Was hätt' ichdavon, diesen unverschämten Krieger zu tödten ?—