der zerrüttete Zustand der öffentlichen Angelegenheiten war,zeichnete eine maßlose Verschwendung die Hofhaltung des nie-der» Adels nicht weniger aus, als die der Fürsten; und ihreUntergebenen vergeudeten gleicherweise durch rohe, aber reichePracht die Schätze, die sie von dem Volke erpreßt hatten.Ein Ton ritterlicher und romantischer Galanterie (die freilichoft wüste Ausschweifungen entehrten) charakterisiere den Ver-kehr zwischen den Geschlechtern, und noch immer wandte mandie Sprache der sogenannten irrenden Ritter an, beobachtetenoch immer die Sitten und Gebräuche derselben, obwohl derreine Geist ehrenhafter Liebe und wohlthätiger Unternehmun-gen, wozu jene begeisterten, längst verschwunden war, undnicht mehr für die Ausschweifungen Entschädigung gewährte.Die Spiele und Turniere, die Ergotzlichkeiten und Gelage,welche auch an dem kleinsten Hofe stattfanden, luden jedenwandernden Abenteurer nach Frankreich, und dort angelangt,fehlte es ihm selten an Gelegenheit, seinen kühnen, feurigenUnternehmungsgeist durch Thaten zu bekunden, wofür ihm seinglücklicheres Vaterland nicht freien Spielraum ließ.
In diesem Zeitraum, gleich als hätte dieVorsehung dies schöneReich von dem manchfachen Elend, womit es bedroht war, er-rettenwollen, bestieg den wankenden Thron Ludwig XI., dessenCharakter, wie schlecht er an sich auch war, doch die Unfälle der Zeitbekämpfte und zum Theil unschädlich machte, — so wie Gifte vonentgegengesetzter Eigenschaft, wie alle medicinische Bücher sagen,die Macht haben sollen, einander wechselseitig entgegenzuwirken.
Tapfer genug für jeden nützlichen und politischen Zweck hatteLudwig gleichwohl keinen Funken jenes romantischen Heldenmuthsoder des damit gewöhnlich verbundenen und dadurch bedingtenStolzes, der auch um die Ehre noch kämpft, wenn der Nutzen be-reits gewonnen ist. Ruhig, verschlagen und äußerst aufmerksam