185
und Abzeichen trug. Diese beiden mächtigen Landherren, besondersaber der dem Thron so nahe stehcne Murray, hatten einen Haus-halt und eine Dienerschaft, welche der königlichen nicht viel nach-gab. Während sie auf dem Markte einritten, sprengte ein Herold* aus ihrem Gefolge seitwärts zu den Mönchen und rief: „Der Abtvon S. Marien erhält die Weisung, vor dem Grafen von Murrayzu erscheinen."
„Der Abt von Sanct Marien," entgegnete Eustach, „stehtauf dem Grundgebiete seines Klosters über jedem weltlichen Herrn.Wenn der Graf von Murray nach ihm verlangt, so mag er sichzu ihm bemühen."
Murray empfing diesen Bescheid mit höhnischem Lächeln. Erstieg ab und ging, begleitet von Morton und mit seinem Gefolgehinter sich, aus die, um das Kreuz versammelte Schaar der Mönchezu. Man sah, wie ein großer Theil derselben zusammcnfuhr beider Annäherung des so gefürchteten und so mächtigen ketzerischenLandhcrrn. Der Abt warf einen strafenden und ermuthigendenBlick auf sie und trat vor, wie ein herzhafter Anführer, welchersieht, daß er seine persönliche Tapferkeit zeigen muß, um densinkenden Math seiner Leute aufzusrifchen. „Herr Jakob Stewar,"sprach er, „oder Graf von Murray, wenn das Euer Titel ist, ich,Eustachius, Abt von Sanct Marien, frage, mit welchem RechtIhr unser friedliches Dorf mit diesen Schaaren von Bewaffnetenbesetzt und unsere Brüder mit denselben umringt habt? WennGastfreiheit gesucht wird, so wisset, daß dieselbe auf höflicheForderung nie verweigert worden ist; hat man Gewaltthätigkeitim Sinn gegen friedliche Männer der Kirche, so laßt uns denVorwand und das Ziel des Vorhabens kennen."
„Herr Abt," versetzte Murray, „Eure Sprache würde sichbesser paffen in einem anderen Zeitalter und in Gegenwart einergeringeren Person, als der Unsrigen. Wir sind nicht hieher