Die frohe Kunde, daß Halbcrt Glcndinning lebte, verbrei-tete sich schnell unter der trauernden Hausgenossenschaft. DieMutter weinte vor Freuden und dankte dem Himmel. Als ihreGefühle wieder ruhiger geworden waren, regten sich auch wiederihre hausmütterlichen Gedanken, und sie bemerkte: „das wird einschön Stück Arbeit geben, die Lhore wieder in die Reihe zu bringen,und was sollen wir anfangen, während sie so zugcrichket sind.Zu zerbrochenen Thürcn laufen die Hunde herein."
Libb bemerkte: „Ich Hab' immer gedacht, daß Halbert zugut mit seinem Gewehr umzugehen versteht, als daß er so leichtvon so einem Herrn Piercie kalt gemacht werden könnte. Siemögen von den Südländern sagen, was sie wollen, sie haben ebendoch nicht das Mark und die Lunge von einem handfesten Schotten,wenn es zum Bindricmcn kommt."
Auf Marien Anenel war der Eindruck unvergleichlich tiefer.Sie hatte erst kürzlich beten gelernt, und es schien ihr, als wäreihr Gebet augenblicklich erhört worden, als wäre die Barmher-zigkeit des Himmels auf wunderbare Weise über sie gekommenund hätte auf ihre Klagen bin den Lobten aus dem Grabe zu-rückgcbracht. In dieser Ansicht lag eine gefährliche Schwärmerei,aber sie hatte ihren Grund in der reinsten Frömmigkeit.
Ein geflickter seidener Schleier, eins der wenigen Stückekostbarer Kleidung, welche sie besaß, wurde dazu bestimmt, dasheilige Buch, welches sie nun als ihren größten Schatz betrachtete,einzuhüllcn und zu verbergen. Sie beklagte nur, daß es ausMangel an einem geeigneten Ausleger für sie ein verschlossenesBuch und ein versiegelter Born bleiben müsse. An die Gefahraber dachte sie nicht, daß sie einen unrichtigen oder gar verkehrtenSinn in diejenigen Worte legen könnte, welche ganz deutlich zu seinschienen. Doch für Beides hatte der Himmel Rath geschafft.