34
Eine Zeitlang ließ sie den neuen Posten ruhig auf- und abschrei-ten, bis es etwas Heller wurde und bis sie dachte, sein Unwilleüber ihre Sprödigkeit möchte sich gelegt haben. Alsdann tratsie vor ihn und verlangte von ihm die Schlüssel zu den Thurm-thoren und zum Hofthor.
„Und wozu?" fragte der Wächter.
„Um die Kühe zu melken und auszutreiben," erwiderte Gre-tel. Ihr werdet doch nicht haben wollen, daß das arme Viehden Morgen im Stall bleibt, — und die Hausleute sind in sol-chem Kummer, daß Niemand hier im Stande ist, eine Handherum zu wenden außer der Stallmagd und mir."
„Wo ist die Stallmagd?" fragte Daniel.
„Sie sitzt bei mir in der Küche für den Fall, daß die armenLeute Etwas brauchen."
„Da hast Du die Schlüssel, Grekcl Käfer," sprach dieSchildwacht.
„Großen Dank, Daniel Nichtsnutz," antwortete das Mül-lermädchen und war im Nu zur Treppe hinunter.
I» den Holzstall eilen, dem englischen Ritter einen Weiber-rock und eine Jacke, welche sie bereit gelegt hatte, anziehen, wardas Werk eines Augenblicks. Rasch ging es nun zum Thor.Sie schloß dieß und das Gatter auf und deutet seitwärts nachdem Stall, der in einer Ecke des Hofes stand. Herr Piercie,welcher die Stallmagd vorstellte, machte Einwendung gegen die-sen Aufenthalt.
„Schöne und hochherzige Molinara,"' sprach er, „thätenwir nicht besser, „das äußere Thor zu öffnen und von hinnenzu eilen, gleichwie ein Paar Seemöven, welche den schützendenFelsen zuflicgen, wenn der Sturm zu toben beginnt?"
„Erst müssen wir die Kühe austreibcn," entgegnete Grctel„Denn es wäre ja Sünde, das Vieh der armen Wittwe verderben