ablenkte oder in die Luft gehen ließ, indem er^ seinen Standwechselte. Nach zwei oder drei heftigen Angriffen, welche Halbertvereitelte, begann der Ritter seinerseits sich auf die Vcrtheidigungzu beschränken, um nicht bei steten Angriffen einmal eine Blößezu geben. Allein Halbert ließ sich dadurch nicht verleiten, scharfauf einen Fechter cinzugehen, dessen Geschicklichkeit ihn schonmehrmals um ein Haar dem Tode nahe gebracht hatte.
Nach einigen Finten von beiden Seiten senkten Beide, alshätten sie es verabredet, ihre Waffen und blickten sich einanderan, ohne zu sprechen. Halbert, der jetzt vielleicht unruhiger wegenseiner Familie war, als zuvor, che er den Beweis seiner Herz-haftigkeit geliefert und die Stärke feines Gegners erprobt hatte— Halbert brach das Stillschweigen und sagte: „Herr Ritter,ist denn der Gegenstand unseres Streites von der Art, daß nolh-wendig Einer von uns jenes Grab füllen muß? — oder könnenwir, nachdem wir uns miteinander gemessen haben, unsere Schwertermit Ehren cinstecken und als Freunde scheiden?"
„Wackere und höchst ländliche Verwegenheit," versetzte derRitter, „keinem Menschen auf Erden könnt Ihr eine Frage, be-treffend die Gesetze der Ehre, stellen, welcher besser im Standewäre, Euch Auskunft zu geben. Laßt uns für die Zeit einesGanges inne halten, bis ich meine Meinung über diesen Skandal')gesagt habe. Denn gewiß ist, wackere Männer sollten nicht ihremSchicksal cntgegenrennen wie wilde und wüthende Thiere, sondernsie sollten sich einander mit Uebcrlegung, mit Anstand und mitVernunft todt schlagen. Wenn wir also kaltblütig betrachten, wieunsere Sache hängt, dann können wir um so besser ermessen, obdie drei Schwestern Einen von uns verdammt haben, selbigenSkandal mit seinem Blute zu büßen. Verstehst Du mich?"
') Ehrensache.