„Recht, Martin," sprach Halbcrt; ,,da hast Du wirklichEtwas gethan, was ein ganzes Leben voll Unbedeutendheit gutmacht."
„Und rechnet Ihr es für Nichts, Halbcrt, daß ich im Standebin. Euch eine Lehre der Geduld und der Unterwerfung unterdie Fügungen der Vorsehung zu geben? Ich denke, die grauenHaare auf dem alten Kopf haben ihren Nutzen, war' es auch nurder, den jungen Kopf durch Lehre und Beispiel zu unterweisen."
Halbcrt sah zu Boden, schwieg eine oder zwei Minutenund hob dann wieder an: „Martin findest Du mich seit Kurzemirgend verändert?"
„Ganz gewiß," antwortete Martin. „Ich habe Euch immerals einen hastigen, wilden, unüberlegten, barschen Jungen ge-kannt, bereit zu sprechen, was Euch in den Mund kam; aberjetzt kommt es mir vor, als hätte Euer Benehmen, ohne seinenatürliche Raschheit verloren zu haben, eine gewisse Kraft undWürde gewonnen, die ihm früher abging. Es ist, wie wenn Ihrals ein Bauer eingeschlafen und als ein Edelmann aufgewacht wäret."
„Du verstehst Dich also darauf, ein Benehmen zu beurtheilcn,ob es adelig oder nicht?" fragte Halbcrt.
„Allerdings, einigermaßen," antwortete Martin. „Ich binmit meinem Herrn, Walter Avencl am Hof, in Stadt und inLager herumgcfayrcn, wofür er mir freilich nicht mehr gebenkonnte, als eine Trift am Berg für ein halbes hundert Schafe.In diesem Augenblick, wo ich mit Euch rede, bemerke ich, daß meineAussprache seiner ist, als gewöhnlich, und daß ich statt der mirso geläufigen nordischen Mundart mehr die städtische Sprache rede."
„Und diese Veränderung in Dir und mir kannst Du Dirnicht erklären?" fragte Halbcrt.
„Veränderung?" entgegncte Martin. „Bei mir ist es nichtsowohl eine Veränderung als vielmehr ein Wiedererwccken und