Dich kommen mit Schwert und mit Speer, denn es gibt genugkecke Reiter in Land, dir weder Gott noch Menschen fürchten."
„Ihr Auge, in schönem Wahnsinn rollend," begegnete dabeidem Blick Chnstie's, und ihre Besorgnis, eine Beleidigung gesagtzu haben, unterbrach den Strom ihrer mütterlichen Borwürfe,welche, gleich Gardinenpredigten, oft besser gemeint, als angebrachtsind. Christie's Auge hakte einen pfiffigen und lauernden Ausdruck— ein graues durchdringendes grimmiges und doch listiges Auge —so daß die Dame sogleich vermuthete, sie habe zuviel gesagt, undschon im Geiste ihren zwölf schönen Kühe in einer mondhellenNacht brüllend die Scklucht hinabgehn sah mit einem DutzendSpecrrciter von der Gränze hinter ihnen her. Ihre Stimmesank darum aus dem hohen Ton mütterlichen Ansehens herabund nahm einen weinerlichen Klang an, als sie entschuldigendhinzufügte: „Nicht als ob ich im Geringsten übel von denGränzreitern dächte; Tibb hier hat mich oft sagen hören, daßich Speer und Zaum so natürlich an einem Granzer finde, wiedie Feder an einem Priester oder den Psauenwcdel an einervornehmen Frau. Habt ihr es nicht gehört Tibb?"
Tibb zeigte eine weniger als gewöhnliche Rührigkeit, dietiefe Achtung ihrer Herrschaft vor den Freibeutern zu bezeugen.Indessen konnte sie doch der dringenden Aufforderung nicht wider-stehen und antwortete endlich: „Ja, ja, ich kann versichern, daßich Euch Etwas der Art habe sagen hören."
„Mutter!" sprach Halbert in festem und gebieterischem Ton,„wen fürchtet Ihr unter meines Vaters Dach? Ich hoffe cs be-herbergt keinen Gast, vor welchen Ihr Euch scheut, mir oder meinemBruder zu sagen, was Euch beliebt. Es ist mir leid, daß ich michso lange aufgehalten habe; ich wußte nichr, daß ich eine so ange-nehme Gesellschaft zu Hause antreffen würde. Laßt Euch an dieser