Bruder, bei Solchen ist Fasten Uebcrfluß und bloß Sache geist-lichen Stolzes. Darum gebiet' ich Dir, verehrter Bruder, gehehin in die Speisekammer und trinke wenigstens zwei Becher gutenWeines und nimm einen stärkenden Imbiß, wie er DeinemGaumen und Magen zusagt. Und in Rücksicht darauf, daßDeine Meinung von Deiner Weisheit Dich wieder verträglichund gesellig mit den schwächeren und ungelehrteren Brüderngemacht hat, gebiet' ich Dir, unseren ehrwürdigen Bruder Niclaszum Gesellschafter zu nehmen und eine geschlagene Stunde seinerErzählung zuzuhören über die Begebenheiten unter unserem ehr-würdigen Vorgänger Abt Jngelram, dem Gott gnädig sein möge.Und was die frommen Uebungen betrifft, die Deiner Seele nützenund die Fehler abbüßen können, deren Du Dich mit zerknirschtemHerzen schuldig bekannt hast, so wollen Wir diesen Gegenstandin Erwägung ziehn und Dir den kommenden Morgen UnserenWillen kund thun."
Seit diesem denkwürdigen Abend wurden die Gesinnungendes würdigen Abtes gegen seinen Rathgeber sichtlich wohlwollenderund freundlicher, als früher, wo ihm der Subprior als der un-fehlbare und sündenfreie Mensch erschien, an dessen Gewand vonTugend und Weisheit kein Makel zu finden war. ' Das Ge-ständnis; seiner Unvollkommenheiten schien dem Subprior dieFreundschaft seines Oberen gewonnen zu haben. Jndeß war dießvermehrte Wohlwollen mit Aeußerungen verbunden, welche füreinen Mann von Eustach's Charactcr widerwärtiger sein mußten,als die Anhörung der Mähren des dummen und geschwätzigenPater Niclas. So zum Beispiel sprach der Abc selten von ihmzu den andern Mönchen, ohne ihn zu nennen: unseren geliebtenBruder Eustachius, den armen Mann! — und zuweilen warnteer die jüngeren Brüder vor den Schlingen des geistlichen Hoch-muthes, welche Satan den Gerechteren legt, mit Blicken und