Während er so mit dem scheuen Thier zürnte, sang eine weib-liche Stimme ihm in's Ohr oder wenigstens ganz in seiner Nähe;
„Guten Abend, Herr Priester! so'spät mögt Ihr reiten.Auf stattlichem Maulthier, im Mantel, dem weiten?
Ob Ihr reitet durch's Thal nun, ob über die Höh'n,
Ich muß Euch beständig zur Seite stehn.
Ich such', ich such'
Das schwarze Buch;
Ich soll cs wiederbringen im Flug.
Der Subprior schaute rings umher, aber weder Busch nochHecke war in der Nähe, worin sich eine Sängerin hatte versteckenkönnen. „Möge Unsere Liebe Frau Erbarmen mit mir haben!"sprach er; „ich fürchte, ich bin von Sinnen gekommen. Doch wiesollten mein Gedanken sich in sonderbare Reime ordnen, die ichverachte, wie sich in Musik setzen, die ich nicht treibe, oder wiesollte der Ton einer weiblichen Stimme sich in einem Ohr bilden,das so lange gegen deren Klang gleichgültig gewesen ist. Diesmacht meinen Verstand zu Schanden und bestätigt fast die Er-scheinung, die Philipp, der Küster, gehabt haben will.— Komm,gutes Maulthicr, begib Dich auf den Weg und laß uns vonhinnen ziehen, so lange wir noch unserer Sinne mächtig sind."
Aber das Maulthicr stand wie angewurzelt, wich zurück vonder Stelle, auf welche es der Reiter drängte und gab durch diezurückgelcgten Ohren und fast aus den Höhlen heraustretendenAugen zu erkennen, daß es von heftigem Entsetzen ergriffen war.
Während der Subprior bald durch Drohungen, bald durchgute Worte das unfolgsame Thier zu seiner Pflicht zurückzufüh-ren sich bemühte, hörte er wieder dicht bei sich dieselbe Stimme:
Herr Subprior, ei! wie so mochtet Ihr reiten.
Das Buch einer tobten Frau zu erbeuten.