169
Der Hufschlag eines Pferdes hinter ihm unterbrach seineBetrachtungen. Nicht lange, so sah er neben sich der wildenReiter, den er im Thurm zurückgelassen hatte.
„Guten Abend mein Sohn und lieneäiiilo," sprach er zuihm. Aber der rohe Söldner dankte kaum mit einem leichtenNicken, stieß seinem Pferd die Sporen in die Seiten und jagtevorwärts. „Und hier," fuhr Eustach in seinen Betrachtungenfort, „ist eine andere Plage der Zeit, ein Gesell, geboren dasLand zu bebauen, aber durch die heillosen, unchristlichen Spal-tungen im Lande in einen kecken lüderlichen Räuber verwandelt.Die Landhcrren von Schottland sind jetzt zu meisterlichen Diebenund Spitzbuben geworden, unterdrücken den Armen mit offenerGewalt, plündern die Kirche durch Erpressung von Verköstigungin Abteien und Prioreicn ohne Scheu und Scham. Ich fürchte, ichkomme zu spät, um dem Abt zu rathen, diesen kecken Einlagerern')die Stirn zu bieten. Ich muß eilen." Und damit setzte er seine Reit-gerte in Bewegung, sein Maulthier anzutreiben. Dieses aber, an-statt rascher zuzutraben, sprang plötzlich seitwärts, und alle Be-mühungen des Reiters, cs vorwärts zu bringen, warenfurchtlos.
„Bist auch Du vom Zeitgeiste angesteckt?" sprach der Mönch.„Du warst doch sonst ein gutes, folgsames Thier, und jetzt bistDu so stätig, wie nur irgend ein wilder Jackmann oder ein ver-stockter Ketzer."
'> Sich einlagcrn (>- »»---> bedeutet in Schottland: freies Quar-tier erzwingen. Es ist durch ein Gesetz vom Jahr l44ö dem Diebstahlgleichgestellt. Die mächtigen Häuptlinge bedrückten die Klöster vielfältigund schwer durch Erpressungen dieser Art. Das Stift Aberboothwickklagte über einen Grafen von AnguS, der es regelmäßig jedes Jahrein Mal mit einem Troß von tausend Pferden heimsuchte und dablieb,bis alle Wintervorräthe des Klosters aufgezehrt waren-