170
„Und sollte die Spitze Eures zweischneidigen Messers, gegendie Brust eines Unbewaffneten gezückt, diesen ehrenvollerenWeg verzeichnen?" fragte Norna ernst.
Clevcland fühlte sich getroffen; er schwieg einige Augenblickeund antwortete dann: „Darin hatte ich unrecht; aber er ist,dem Himmel sei Dank, genesen, und ich bin zu jeder Zeit zueiner ehrenvollen Genngthuung bereit."
„Nein, Cleveland," sagte die Seherin, „der Feind, der Euchals sein Werkzeug verwendet, ist mächtig; aber mit mir soll ernicht kämpfen. Ihr habt den Charakter, welchen die finstern Ge-walten bei de» Werkzeugen ihrer Macht so gxrn sehen; Ihr seidkühn, hochfahrend, unbezähmbar, ungebändigt durch Grundsätze,und habt statt dieser nur einen ungezügelten Stolz, welchen LeuteEurer Art Ehre nennen. So seid Ihr, und so ist Eure bishe-rige Lebensweise gewesen — hinausstrebend und ungebändigt,blutig und stürmisch. Ich aber werde sie zu zügeln wissen," schloßsie, indem sic ihren Stab ausstreckte, und die Stellung einesMenschen annahm, der eine bestimmte Obergewalt hat, „ja,und wenn selbst der Dämon, der sie Euch eingibt, in diesemAugenblicke unter allen seinen Schrecken cmporstiege."
Clevcland lachte höhnisch. „Gute Mutter," sagte er, „sparteine solche Sprache für d^n rohen Matrosen auf, der Euch an-fleht, ihm günstigen Wind zu verleihen, oder für den armenFischer, der um Glück für seine Netze und Angelschnüre bittet.Ich' bin schon seit längerer Zeit für Furcht und Aberglaubenunzugänglich. Ruft Euren Dämon, wenn Ihr einem gebietenkönnt, und stellt ihn mir gegenüber. Der, welcher Jahre langin Gesellschaft mit eingefleischten Teufeln lebte, kann die Ge-genwart eines unkörperlichen Feindes wohl nicht fürchten-"
Er sagte dieß mit einer unbekümmerten und verzweifeltenBitterkeit, welche selbst für Norna's wahnsinnige Selbsttäuschung