99
einen allgemeinen Rath in der großen Kajüte zusammen zu be-rufen, um zu überlegen, was in dieser Sache zu thun ist."
Dieser Vorschlag des Bootmanns erhielt allgemeinen Beifall,denn Alle fanden bei dem großen Rathe, in welchem Jeder von denRäubern eine freie Stimme hatte, ihre Rechnung. Der größereTheil der Mannschaft schätzte indessen diese Freiheit nur des;wegen,weil bei allen solche» feierlichen Gelegenheiten eine unbeschränkteVertheilung von geistigen Getränken stattfand — ein Recht,dessen'sie sich zur Unterstützung bei ihren Berathnngen in dergrößten Ausdehnung zu bedienen, nicht unterließen. Einige Aben-teurer, welche neben der Verwegenheit und Verderbtheit, derFolgeihres Gewerbes, noch einigeUeberlegung besaßen, pflegtensich bei solchen Gelegenheiten innerhalb der Granzen einer ver-hältnißmäßigen Nüchternheit zu erhalten, und sie waren cs,welche unter der anscheinenden Gestalt eines Beschlusses des allge-meinen Raths, alle Dinge von Bedeutung entschieden, welche sichans die Fahrt und die Unternehmungen der Seeräuber bezogen.Die Ucbrige» ließen sich dann, wenn sie von ihrem Rausche wie-der zu sich kamen, sehr leicht überreden, daß der angenommeneBeschluß die gesetzmäßige Willenserklärung der vereinigten Weis-heit des ganzen Senats gewesen sei.
Bei dieser Gelegenheit war daS Gelag so weit gegangen, bisder größere Theil des Schiffsvolkes, wie gewöhnlich, die Wirkun-gen der Trunkenheit in ihrer thierischesten und niedrigsten Gestaltverrieth — leere, unverständige Flüche brüllte — die schrecklichstenVerwünschungen in rcinerHerzensfröhlichkeit ansstieß, und Liedersang, deren Unsittlichkeit nur von ihrer Ruchlosigkeit ubertroffenwurde. Ans dieser irdischen Hölle hatten sich die beiden Capi-taine, mit einem oder zweien ihrer Haupt-Anhänger, so wie demZimmermann und Bootsmann, die bei solchen Gelegenheitenallmal eine Hauptstimme hatten, zu einem Pandämonium oder
7 "