„Halt, was kommt jetzt zunächst? — Laß sehen."
Wenn der Geist des Declamirens sich Clandins Halcrv'Sbemächtigte, vergaß er Zeit und Ort, und er würde seineBegleiterin jetzt vielleicht eine halbe Stunde in der freien Luftaufgehalten, und ihr dabei dichterische Ermahnungen gegebenhaben, weßhalb sie schon längst im Bette hätte sein sollen.Minna unterbrach indessen durch die Frage, die sie zwar mitErnst, aber mit kaum hörbarer Stimme aussprach, währendsie Halcro zitternd und krampfhaft anfaßte, als ob sie sichgegen das Niedcrsinken hätt« schützen wollen: „Saht IhrNiemanden in dem Boote, das so eben in See ging?"
„Unsinn!" erwiderte Halcro, „wie konnte ich irgend Jemandsehen, da Licht und Entfernung mir gerade nur erlaubten,so viel zu unterscheiden, daß cs ein Boot war, und nicht einNordkapcr?"
„Aber es muß doch Jemand im Boote gewesen sein?"wiederholte Minna, und kaum wußte sie, was sie sagte.
„Allerdings," antwortete der Dichter, „Boote gehen seltenaus eigenem Antriebe nach dem Winde. Aber komm; das istAlles Albernheit, und deßwegen, wie die Königin in einem altenStücke sagt, daS von dem treffliche» Will»' Av enant wiederfür das Theater bearbeitet wurde: zu Bette, zu Bette, zu Bette!"
Sie trennten sich, und Minna's Glieder trugen sie mitMühe durch mehrere abgelegene Gänge wieder zu ihrem Zimmer,wo sie sich behutsam neben ihrer noch immer schlafenden Schwesterniederlegte, in einer Stimmung voll der allerqnälendsten Be-sorgnisse. Daß sie Cleveland gehört hatte, war gewiß, derInhalt der Gesänge ließ daran keinen Zweifel; und wenn sienicht eben so fest überzeugt war, daß sie den jungen Mcrtounim heftigen Zanke mit ihrem Geliebten hörte, so war dochder Eindruck davon lebhaft geblieben. Das Stöhnen, mit dem