83
ermähnt und gleich wieder übergangen, als ob sie leicht Zwie-spalt zwischen ihnen hervorbringen, oder eine freiere Eröffnungihrer verschiedenen Ansichten zur Folge haben könnte, als Jedevon ihnen der Andern zu machen Willens war.
Jndeß war doch ihre natürliche Offenheit und Gutmüthig-keit so groß, daß jede Schwester sich selbst die Schuld der Ent-fremdung beimaß, die unter ihnen stattznfinden schien; undals sie nach Verrichtung ihrer Andacht ihr gemeinschaftlichesLager eingenommen hatten, einander in die Arme schloßen,und sich mit einem schwesterlichen Kusse gute Nacht wünschten,schien Jede die Andere um Verzeihung zu bitten und ihr Ver-zeihung zu gewähren, obgleich Keine der Andern irgend einbeleidigendes Wort gesagt hatte; und Beide sanken bald inden leichten und doch tiefen Schlummer, welcher nur auf dieAugen der Jugend und der Unschuld herabsinkt.
In der Nacht, deren die Erzählung erwähnt, hatten beideSchwestern Träume, welche zwar durch die Denkweise und Ge-wohnheiten der Schläferinnen eine verschiedene Färbung erhielten,aber gleichwohl eine sonderbare Aehnlichkeit mit einander hatten.
Minna träumte, daß sie sich an einer der einsamsten Ge-genden der Bucht befände, Swartaster genannt, wo das unauf-hörliche Anschlägen der Wogen, welche einen Äalkfelsen ans-höhlten, einen tiefen Haller gebildet batten, das heißt, nachder Landessprache, eine unterirdische Höhle, in welche die Wo-gen ebben und fluthen- Viele von diesen Höhlen gehen bis zueiner ungewöhnlichen und unerreichbaren Tiefe in den Felsenhinein, und sind der sichere Zufluchtsort der Kormorans undSeekälber, welche weder leicht, noch sicher bis in ihre äußerstenSchlupfwinkel verfolgt werden können. Unter diesen Höhlenhielt man den Halier von Swartaster für besonders unzugäng-lich, und er wurde sowohl von Jägern, als von Seeleuten
6 '