Ich war sehr bewegt. Immer hat mich der Kummer, demein kräftiges, stolzes und gewaltiges Gemüth erlag, mehr gerührt,als der leichter erregte Schmerz weicherer Seelen. Der Wunsch,ihm zu Helsen, erfüllte mein Gemüth lebhaft, so schwierig, ja fastunmöglich mir das auch zu sein schien.
„Wir haben im Auslande ausgebreitcte Verbindungen," sagteich; „könnten Eure Söhne nicht mit einiger Unterstützung, die sievon meines Vaters Hause zu erwarten berechtigt sind, leicht eineehrenvolle Anstellung in fremden Diensten finden?"
Mein Gesicht verrieth, glaube ich, eine aufrichtige Rührung;allein ohne mich weiter reden zu lasten nahm mein Gefährtemeine Hand und erwiderte: „Ich dank'Euch — dank'Euch! Aberlaßt uns nichts mehr davon sprechen. Ich hätte nicht geglaubt,daß Jemand noch eine Thräne in Mac-Gregor's Augenwimpernsehen würde."— Er trocknete das feuchte Auge unter den dichtenrothen Brauen mit der verkehrten Hand. „Morgen früh," sagteer dann, „wollen wir davon und auch von Euren Angelegenheitenreden — denn wir brechen früh auf, selbst wo wir so glücklich sind,ein gutes Nachtlager zu haben. Wollt Ihr mir nicht in einem Be-cher Bescheid thun?" Ich lehnte es ab.
„Dann, bei der Seele St. Maronoch's, muß ich mir selbst Be-scheid thun!" rief er, goß wenigstens ein halbes Maß Wein ein,und stürzte es hinunter.
Ich legte mich nieder, entschlossen, meine Nachforschungenaufzuschicben, bis er in einer ruhigeren Stimmung sein würde.Wirklich beschäftigte dieser sonderbare Mann meine Einbildungs-kraft so sehr, daß ich nicht unterlassen konnte, ihn noch einige Au-genblicke zu beobachten, nachdem ich mich dem Scheine nach schonzum Schlummer aus mein Haidelagcr geworfen hatte. Er gingauf und nieder, bekreuzte sich von Zeit zu Zeit, und murmelte einlateinisches Gebet; dann hüllte er sich in seinen Plaid, sein nacktes