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Die Bibliothek stand mir, wie jedem anderen Mitglicde der Familie,zu jeder Stunde des Tages und der Nacht offen, und man konntemich der Zudringlichkeit nicht beschuldigen, so plötzlich unduner-wartet ich auch erschien. Ich glaubte fest, daß Diana Vaughan,oder sonst Jemand, durch dessen Meinung sie ihr Betragen leitenließ, gelegentlich hier sah, und zwar zu einer Zeit, wo sie am we-nigsten eine Störung befürchten konnte. Das Licht, welches dieFenster des Saales in ungewöhnlichen Stunden erhellte, die vor-überwandelnden Schatten, die ich selbst bemerkt hatte, die Fuß-tritte, die man imMorgenthau von der Thurmthüre bis andreHinterpforte des Gartens verfolgen konnte, die Töne und Gestal-ten, welche einige Diener, und namentlich Andrew, beobachtet, undnach ihrer Art ausgelegt hatten, alles das verrieth mir, daß derOrt von Jemand besucht werde, der nicht zu den gewöhnlichenHausgenossen gehörte. Da dieser Freund in Diana Vernon's Schicksalwahrscheinlich verwickelt sein mußte, so entwarf ich einen Plan, umzu entdecken, wer, oder was er war, und in wiefern sein Einfluß guteoder böse Folgen für sie haben konnte; vor Allem aber wünschte ich,obgleich ich mich selbst überreden wollte, es sei nur eine Nebenrück-sicht, zu wissen, durch welche Mittel dieser Unbekannte seinen Ein-fluß auf Miß Wernon's Betragen erworben hatte und behauptete,und ob er sie durch Furcht oder Zuneigung leite. Der Beweis, daßdiese Neugier bei mir vorherrschend war, entstand aus der Einbil-dung, Diana's Betragen werde nur von einem Einzelnen bestimmt,obgleich ihre Rathgeber nach dem, was ich von der Sache wußte,Legion sein konnten. Ich sagte mir dies wieder und wieder, kamaber stets auf meine erste Ueberzeugung zurück, daß ein einzelnesWesen von männlichem Geschlecht, und wahrscheinlich jung undschön, Miß Vernon's Handlungen bestimmte. Mit dem glühen-den Verlangen, einen solchen Nebenbuhler zu entdecken, oder viel-mehr zu ertappen, ging ich daher in den Garten, um den Augen-