sachte ihr seine Ankunft doch ein ängstliches Beben, welches solange anhielt, bis Beide einige bedeutungsvolle Blicke gewechselthatten.
Welcher Art auch das Geheimniß sein mochte, das dieses schö-nen und anziehenden Mädchens Schicksal umhüllte, so war dochVater Baughan offenbar darin verwickelt, ich hätte denn annch-men müssen, daß er beauftragt war, sie in das Kloster zu bringen,wenn sie die Verbindung mit einem meiner Vettern ausschlug. —In diesem Falle ließ sich ihre unverkennbare Bewegung bei seinerAnkunft hinlänglich erklären. Uebrigens schienen Beide wenigmiteinander zu verkehren, sich auch nie aufzusuchen. Bestand einBündniß zwischen ihnen, so war es von stiller, bedeutungsvoller Artund leitete ihre Handlungen, ohne Worte nöthig zu machen. Icherinnere mich, ein oder zwei Zeichen bemerkt zu haben, die ich da-mals für Winke über die Beobachtung irgend einer Religionspflichthielt, weil ich wußte, wie schlau die katholischen Priester überallund zu allen Zeiten ihren Einfluß auf die Gemüther ihrer Anhängerbehaupten. Jetzt aber war ich geneigt, diesen Mitteilungen einetiefere und gehcimnißvollere Bedeutung beizulegen. Hatte er mitMiß Vcrnon geheime Zusammenkünfte in der Bibliothek? Das wareine Frage, die mich stark beschäftigte. Und wenn cs war, in wel-cher Absicht? Und weshalb hatte sie dem Vertrauten des treulosenRashleigh so inniges Zutrauen geschenkt?
Diese Fragen und Zweifel wurden durch die Möglichkeit, sie zulösen, noch gesteigert. Ich hatte bereits angefangen, zu argwöh-nen, daß meine Freundschaft für Diana nicht ganz so uneigennützigwar, wie sie, der Klugheit gemäß, hätte sein sollen. Ich fühltemich schon eifersüchtig auf den verächtlichen Thorncliff, und hatteseine einfältigen Versuche, mich zu reizen, mehr beachtet, als essich für die Vernunft und die Würde des Gefühls ziemte. Undnun beobachtete ich Miß Vernon's Betragen mit der sorgfältigsten