Druckschrift 
2 (1851) Robin der Rothe
Entstehung
Seite
61
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zerreibt mir die Stirn;" damit nahm das liebliche Mädchen ihn ab,und schüttelte eine Fülle schwarzer Locken herunter, die sie, halb la-chend, halb erröthend, mit ihren zarten weißen Fingern theilte, umihre reizende Stirn und ihre funkelnden, braunen Augen davon freizu machen. Lag in ihrem Thun irgend eine Coquelteric, so wurdesie durch die sorglose Gleichgültigkeit ihres Benehmens wohl ver-steckt.

Ich konnte mich nicht enthalten, zu sagen, daß ich nach dem,was ich von der Familie sah, die Toilette für eine sehr überflüssigeMühe hielte.

Sehr klug gesagt, obgleich ich vielleicht nicht verstehen sollte,in welchem Sinne es gemeint ist," entgegnete Miß Bernon;aberIhr werdet eine bessere Entschuldigung für einige Nachlässigkeit fin-den, wenn Ihr die Orsons seht, unter denen Ihr leben sollt, undderen Gestalten durch keine Toilette verbessert werden können. Aberdie alte Eßglocke wird in wenigen Minuten klingen, oder vielmehrklappern sie sprang von selbst am Lage der Landung des KönigsWillst, und mein Oheim, der ihr prophetisches Talent ehrt, würdenie zugeben, daß sic ausgebessert würde. Haltet daher meinen Zel-ter, wie ein getreuer Ritter, bis ich einen demüthigcren Dienersende, Euch von der Pflicht zu erlösen."

Sie warf mir die Zügel zu, als wären wir seit unsrer Kindheitmit einander bekannt, sprang aus dem Sattel, trippelte über denHof und ließ mich zurück, voll Bewunderung ihrer Schönheit, undstaunend über die Freimüthigkeit ihres Benehmens, welche um soungewöhnlicher in einer Zeit schien, in welcher die Borschristen derHöflichkeit, von dem Hole des großen Ludwig's Xiv. ausgehend,dem schönen Gcschlechtc eine ungewöhnliche Strenge des Decorumszur Pflicht machten. Ich wurde ziemlich lächerlich mitten auf demHofe der alten Halle zurückgclassen, auf einem Pferde reitend undein anderes an der Hand haltend.