Druckschrift 
15 (1853)
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

Lanrina.

Ich wollt' Euch doch nicht kränken.Prinz.

Trotz dem ich muß in vollem Ernst mir so was denken,Nm mich zu trösten. Denn dies gräßliche Gesicht . .

Und Liebe fühlen seht, das geht »nn einmal nicht.

Lanrina.

O Prinz! Ich zittre! Habt Ihr Euch und mich belogen?Noch hör' ich Enern Schwur; ist er so bald verflogen?

Ich Unglückselige! Wie traut' ich doch so leichtDem Manne, der zuletzt nur allen Männern gleicht!

Schwört's jeder, unsre Tugend habe ihn gefangen,

Und welche Tugenden? Es sind zwei rothc Wangen.

Und wer denn in der That nicht unsre Jahre zählt,

Der hat nicht unser Herz nein, unser Geld gewählt.

Das Weib nur lebt und webt in zärtlichen Gefühlen;

Der Mann weiß nichts davon; will glänzen nur und spiele».Die Selbstsucht ist sein Gott. Dem opfert er die Welt;

Ans Selbstsucht wird er Philosoph und Mönch und Held;

Aus Selbstsucht liebt er auch; nicht Andre, nein, in allenSein eignes liebes Selbst. Nur das will ihm gefallen.

O Prinz, auch Ihr! o daß ich's sagen muß, auch Ihr!Prinz.

Ihr irret Euch. Allein was kann ich nun dafür,

Daß, während dieses Herz Mitleid und Liebe rühren,

Vor Enerm Anßcnwcrk die Augen retiriren?

Im Grund' hat jedes Recht, das Auge wie das Herz.

Doch, ehrlich unter uns, bei Seite allen Scherz!

Darf ich den Augen mich zn sagen unterfangen:

Ihr trüget Nos' und Lilien ans den gelben Wange»?

Der krumme Nacken da wär' griechischer Natur?