189
Gesetzentwurf vor, in welchem alle geistlichen Güter ein<gezogen wurden, um mit ihnen einen Theil der großenSchulden zu bezahlen, in die der Staat versunken war.
Den 2. Nov. 1810 legte er dem Könige einen drittenGesetzentwurf vor, in welchem die Zünfte aufgehoben wur-den, und eine völlige Gewerbefrcyheit eingeführt, damitjeder Staatsbürger seine Kräfte frey und nach eigenerEinsicht gebrauchen könne.
Aehnliche Dekrete hatte die Nationalversammlung 20.Jahre früher erlassen, und der preußische Staat hatte inseiner Gesetzgebung innerhalb 6 Tagen einen Cyklus durch-laufen, den zu durchlaufen die Revolution zwey Jahregebraucht hatte. — Ein Zeichen, daß diese Gesetze nichtvon einzelnen Menschen hervorgerufen worden, sondernaus dem Bedürfnisse der Gesellschaft hervorgegangen,welche sich in anderer Weise regen und bewegen wollte,und dazu andere Formen und andere Einrichtungen be-durfte.
Man hat gefragt: ob die Aufhebung der Zünfteeine Wohlthat für die Gesellschaft gewesen?
Ich glaube dieses, weil die Gesellschaft eine andereForm und eine andere Lebensweise angenommen, und siedaher das Bedürfniß hatte, sich in anderer Weise zu be-wegen.
Das Daseyn der geschlossenen Zünfte war aus demDaseyn der geschlossenen Städte hervorgegangen. Siewaren im Mittelalter entstanden, in einer Zeitperiode,wo die öffentliche Sicherheit ungemein geringe war, weildie kleinen Staaten, aus denen der größere bestand, nochnicht ihre Souveränität aufgegebeg und auf das Recht