188
Das Käthchcn von Hcilbronn.
Dritter Akt.
Scene: Gebirg und Wald. Eine Einsiedelei.
Erster Auftritt.
(Theobald und Gottfried Friedcborn führen das Käthchcn von einemFelsen herab)
Theobald.
Aimm dich in Acht, mein liebes Käthchcn; der Gebirgspfad,siehst du, hat eine Spalte. Setze deinen Fuß hier ans diesen Stein,der ein wenig mit Moos bewachsen ist; wenn ich wüßte, wo eineRose wäre, so wollte ich es dir sagen. — So!
Gottfried.
Doch hast du wohl Gott, Käthcheu, nichts von der Reise an-vertraut, die du heut zu thun willens warst? — Ich glaubte, andem Kreuzweg, wo das Marienbild steht, wurden zwei Engel kom-men, Jünglinge von hoher Gestalt, mit schneeweißen Fittigen an denSchulten,, und sagen: Ade, Theobald! ade, Gottfried! kehrt zurück,von wo ihr gekommen seid; wir werden das Käthcheu jetzt ans sei-nem Wege zn Gott weiter führen. — Doch es war nichts; wirmußten dich ganz bis an's Kloster herbringen.
Theobald.
Die Eichen sind so still, die ans den Bergen verstreut sind:man hört den Specht, der daran pickt. Ich glaube, sie wissen, daßKäthchcn angekommen ist, und lauschen auf das, was sie denkt.Wenn ich mich doch in die Welt auflösen könnte, um es zu erfah-ren. Harfenklang muß nicht lieblicher sein, als ihr Gefühl; es würde