Einleitung.
xxvu
Grund, warum ich dir so selten schrieb. Warum bin ich, wieTankred, verdammt, das was ich liebe, mit jeder Handlung zu ver-letzen!" — 4. Juni. „Ich soll dir etwas aus meinem Innern mit-theileu. Ach das ist leicht, wenn Alles in der Seele klar und hellist, wenn man nur in sich selbst zu blicken braucht, um deutlichdarin zu lesen. Aber wo Gedanken mit Gedanken, Gesühle mitGefühlen kämpfen, ist es schwer zu nennen, was in der Seeleherrscht, weil noch der Sieg unentschieden ist. Alles liegt in mirverworren wie die Wergfascru im Spinnrocken durch einander,und ich bin vergebens bemüht, mit der Hand des Verstandes denFaden der Wahrheit, den das Rad der Erfahrung hinausziehnsoll, um die Spule des Gedächtnisses zu ordnen. sHier sicht maudoch etwas das Exercitium!j Ja selbst meine Wünsche wechseln, undbald tritt der eine, bald der andere ins Dunkel, wie die Gegenständeeiner Landschaft, wenn die Wolken darüber hinziehn." „Ich fange anzu glauben, daß der Mensch zu etwas mehr da ist, als blos zu den-ken. — Arbeit, fühle ich, wird das Einzige sein, was mich ruhigermachen kann. Alles was mich beunruhigt, ist die Unmöglichkeit, mirein Ziel des Bestrebens zu setzen, und die Besorgnis;, wenn ich zuschnell ein falsches ergriffe, die Bestimmung zu verfehlen und so einganzes Leben zu verpfuschen. Ich habe fast eine Ahnung von demrechten — wirst du mir dahin folgen, wenn du dich überzeugenkannst, daß es das rechte ist? Doch laß mich lieber schweigen vondem, was selbst mir noch ganz undeurlich ist." — Schon am 21. Maihatte er geäußert: „Wer erfüllt getreuer seine Bestimmung nachdemWillen der Natur als der Landmann? Um dieses Glück wollte ichmit Freuden allen Ruhm und allen Ehrgeiz ausgebcu." — So tauchtin seiner Seele ein neuer Gedanke auf, den er im Stillen fortwach-sen läßt, bis er sich seiner blinden Gewalt nicht mehr entzieh» kann.
Inzwischen fehlte es seiner Reise an gemüthlichen Anregungennicht ganz, und wenn er (21. Mai) schreibt: „Für ein Herz, da»