Didaktische Dichtungen.
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Selige, die cs nicht wären, wenn es keine Bösen gegeben hätte. EinThörichter sagt vielleicht, eS sollte dein Bösen übel, dem Guten gutergehen. Allein beide sollen gleich stehen und gleiche Hoffnung undFurcht vor Gott haben. Den Guten aber würde stetes Glück der LiebeGottes sicher machen, so ließe er es leicht, an Gott zu halten; so aberist Keiner so weise, daß er wisse, wie ihm dort geschehen solle. DemGuten, dem es hier übel geht, wird so seine kleine Sünde, die dochJeder hat, abgebüßt, so hat er am Ende ungetrübtere Freude. So kannumgekehrt dem Bösen hier nicht so viel Glück geschehen, das ihm nichtgegen sein künftiges Weh wie nichts däuchte. Kein Böser ist auch soböse, daß er nicht einmal etwas Gutes thue, sein hiesiges Glück ist dafürseine kurze Belohnung. Also ist Glück und Unglück gleich gut demGuten, denn was hilft ist gut. Unglück aber bessert den guten Mann,so ist'ö ihm gut; bessertS ihn nicht, so geschieht es ihm recht, das Rechtaber ist gut. Wir klagen nicht, wenn der Arzt schneidet, aber wir klagenüber den, der die Seele heilen will. Er gibt Gut und Reichthum, wennes heilsam ist; er heilt mit Leid und Freud, mit Glück und Unglück. Nochmöchte einer entwerfen, daß Unglück den Guten vom Guten abbringenkönne, aber dann wohnt seiner Tugend keine Stäte bei;stätc Tugend wich nie vor Lieb und Leid. Man nehme einemsolchen sein Gut, so nimmt man ihm doch nicht seine tugendhafte Gesin-nung; seinen Gewinn kann man ihm rauben aber nicht seinen Sinn,Tugend und Mannheit kann ihm Niemand als er selbst sich nehmen.Denn was innerlich ist, weicht niemals dem Aenßeren.So mag den Guten nichts erschüttern, nichts kann ihn irren, Krankheitlehrt ihn Duldung, die Verbannung muß ihm lassen was ihm dasThenerste ist, und in seiner Tugend ist er stets zu Hause; kein engerKerker bringt ihn um das schöne Haus, das er in sich trägt, kein Dunkeldes Gefängnisses löscht daö Licht seiner Tugend. Er scheut auch denTod nicht, welcherlei Art er auch sei, denn je schneller er kommt, jeschneller erlöst er ihn aus der Noth. Du sprichst vielleicht: aber wennman ihm die Ehre des Grabes nicht gönnt? Was ists? den ein Steindecken soll, den deckt der Himmel eben so wobl. Wer da stirbt, fährtzur Heimat. Wie lange er lebe, achtet der Gute nicht, sondern wie erlebe; Jeder weiß, daß er einst dahin muß, in allen Landen ist der Wegzu Himmel und Hölle: drum bereite sich Jeder wohl.
Im fünften Buche versinnlicht Thomasin mit einem Bilde den Wegzum Himmel. Es gibt zweierlei Gut, ein oberstes, Gott, und einzweites, Tugend, durch die man zu jenem kommt. So gibt es zweierlei